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"Welt" und "Berliner Morgenpost" spielen wieder in zwei Welten

Vor zehn Jahren legte der Axel-Springer-Verlag die Redaktionen der überregionalen Welt und der regionalen Berliner Morgenpost zusammen und machte als erster in Deutschland Ernst mit dem gemeinsamen Newsroom. Eine Redaktion, drei Blätter (hinzu kam 2004 die Welt Kompakt) - das verspricht Integration und kostensparende Synergien. Doch nun macht Springer so etwas wie einen Teil-Rückzieher.

Dem Morgenpost-Konkurrenten Tagesspiegel zufolge werden die zusammengelegten Redaktionen künftig wieder in getrennten Räumen arbeiten. Ziel der Umstrukturierung sei es, die Profile der "Marken in den unterschiedlichen Wettbewerbsumfeldern" zu schärfen, wird Morgenpost-Chefredakteur Carsten Erdmann zitiert. Vor allem das eigene Profil sei steigerungsfähig, hört man von Morgenpost-Mitarbeitern, die auf ein besseren Standing hoffen.

Alte Tugenden und digitale Zukunft
Was da geschärft werden muss, sind zwei gegenläufige Entwicklungen. Für Erdmanns Morgenpost geht es um alte Tugenden: Die Zeitung soll bei den regionalen Inhalten stärker zulegen, um auf dem hart umḱämpften Berliner Zeitungsmarkt zu bestehen. Für die Welt liegt die Zukunft dagegen im Digitalen, nicht mehr im Print.

"Zehn Jahre nachdem wir den ersten Multimedien-Newsroom eingerichtet haben, ermöglichen wir nun die Vollintegration von Print und Online", erklärte Welt-Chefredakteur Jan-Erik Peters jüngst anlässlich der Einführung des neuen Content-Management-Systems Newsgate. "Künftig wird das Digitale den Takt in unserer Redaktion vorgeben."

Top-ten-Nachrichtenportal
Dem Branchenverband Bitkom zufolge haben die Top-ten-Nachrichtenportale im Internet ihre Reichweite im vergangenen Jahr um 17 Prozent auf 7,3 Milliarden Besuche gesteigert. Welt Online konnte um 23,1 Prozent zulegen und liegt - allerdings mit gehörigem Abstand zu den Branchenführern Bild und Spiegel - auf Platz vier.

Zwar wird die Welt-Gruppe in der Konzern-Struktur bei Springer erhalten bleiben. Zwar ist in der offiziellen Springer-Kommunikation jetzt von einem gemeinsamen "virtuellen Newsroom" die Rede. Aber manches von dem, was Kritiker der Fusion vor zehn Jahren ins Feld geführt hatten - die unterschiedlichen Zielgruppen und Ausrichtungen der beiden Titel, die Zusammenlegung auf Kosten der Morgenpost - scheint im Nachhinein doch noch zu zählen. Welt und Morgenpost spielen wieder in zwei Welten.
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