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Restrukturierung mit Stefan Aust - ProSiebenSat.1 verkauft endlich N24

Zwei für N24: Torsten Rossmann und Stefan Aust
Foto: obs/N24 Media GmbH
Zwei für N24: Torsten Rossmann und Stefan Aust
Foto: obs/N24 Media GmbH
Stefan Aust wird TV-Sparkommissar: Der ehemalige Spiegel-Chefredakteur ist die Gallionsfigur eines Management-Buyouts bei dem Nachrichtensender N24, dessen Schicksal monatelang von seiner hoch verschuldeten Konzernmutter ProSiebenSat.1 in der Schwebe gehalten wurde. Mit dem Verkauf entstehe der größte unabhängige TV-Informations-Produzent Deutschlands mit Sitz in Berlin, teilte ProSiebenSat.1 mit. Zu ergänzen wäre: Es entsteht auch die größte deutsche Privatsendergruppe ohne eigene Nachrichten-Intelligenz. Darüber dürfen sich jetzt die Landesmedienanstalten erregen.

Mit im Paket ist auch noch die Produktionsgesellschaft Maz & More, eine anlässlich des Sat.1-Umzuges von Berlin nach München gegründete 100-prozentige N24-Tochter, die das Frühstücksfernsehen und andere Sat.1-Magazine zubereitet.

Frist bis 2016
Daran soll sich vorerst auch nichts ändern. Vertraglich hat sich ProSiebenSat.1 nämlich verpflichtet, bis Ende 2016 Nachrichten und andere Inhalte von der ehemaligen Tochterfirma zu beziehen. Dafür muss die Gruppe aber nur noch die Hälfte des bisherigen Jahresbudgets überweisen: 30 Millionen Euro. Der ehemalige N24-Informationsdirektor Peter Limbourg bleibt zwar bei ProSiebenSat.1, wirkt mit seinem stattlichen Titel Senior Vice President Nachrichten & Politische Information aber wie ein König ohne Reich.

Mit der Übernahme rollt ein erheblicher Stellenabbau auf den ohnehin schon geschrumpften Nachrichtensender zu. Das haben Rossmann und Co. zuvor schon angekündigt. "Zum 1. September 2010 werden nach heutigem Kenntnisstand 218 Vollzeitstellen besetzt sein, von denen voraussichtlich 72 Stellen durch Vertragsaufhebungen oder Kündigungen abgebaut werden sollen", heißt es nun. Dafür will der Sender 13 neue Stellen für Videojournalisten schaffen - kostengünstige Ein-Mann-Teams, die Beiträge aus einer Hand produzieren können.

Nur noch 141 Arbeitsplätze
Unter dem Strich sollen nach "umfangreichen Restrukturierungsmaßnahmen aufgrund von signifikanten Kostensenkungen im Nachrichtenbereich der ProSiebenSat.1-Gruppe" im zweiten Halbjahr 2010 insgesamt 141 Arbeitsplätze bei dem Nachrichtensender übrig bleiben. ProSiebenSat.1 kostet die Trennung nach eigenen Angaben bis zu 41 Millionen Euro; hinzu kommen Abschreibungen auf Anlagegüter von bis 12 Millionen Euro.

Aust und N24-Geschäftsführer Torsten Rossmann werden jeweils 26 Prozent der Anteile halten. Den Rest sollen sich Austs Kompagnon bei der Hamburger Produktionsfirma Agenda Media, Thorsten Pollfuß, und drei weitere Manager teilen. Rossmann wird Gesamt-Chef der neuen N24 Media GmbH. Aust, der den Titel Geschäftsführer New Business trägt, will sich nach eigenen Angaben "um zusätzliche Aufträge für neue Reportagen und Dokumentationen" kümmern.

Auch mit seiner unter dem Dach der WAZ-Gruppe entwickelten, aber nicht realisierten Zeitschriften-Kind Die Woche hat Aust noch Pläne. Er will das Projekt "von der Basis N24 aus" doch noch zur Welt bringen, und zwar als "Hybrid-Magazin zwischen Online, Print und Fernsehen".
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