Abstieg für "Premiere", Fußball-Bundesliga bleibt frei empfangbar
Der Rechtepoker um den Fußball ist entschieden: Die Bundesliga wird in den nächsten drei Spielzeiten bis 2009 bei der ARD bleiben. Zugleich vergab die Versammlung der Deutschen Fußball-Liga - einem Vorschlag ihrer Geschäftsführung und des achtköpfigen Vorstandes folgend - aber die Pay-TV-Rechte nicht mehr an Premiere, sondern an die Firma Arena, hinter der deutsche Kabelnetzbetreiber stehen. Die Internetrechte ersteigerte die Telekom. Pro Jahr wird die Liga künftig aus allen Rechten 420 statt wie bisher 300 Millionen Euro erlösen.
Journalistisch dürfte sich damit nichts an der Bundesliga-Berichterstattung ändern - außer dass die Rechte eben teurer und die Sendungen deshalb vielleicht noch etwas marktschreierischer werden. Die Fußball-Gucker müssen sich lediglich daran gewöhnen, dass die mit reichlich Werbung gepflasterte ARD-Sportschau 20 Minuten später um 18.30 Uhr beginnt. Auch im ZDF-Sportstudio am Samstag abend und beim DSF (Zweite Liga, Erste Liga sonntags ab 22 Uhr) wird wie gehabt Fußball programmiert. Neu ist die Wiedereinführung eines Freitagabendspiels.
Premiere-Aktie brach ein
Während für viele Zuschauer also fast alles beim bleibt, schlägt die Entscheidung wirtschaftlich hohe Wellen. Die Aktie des Bezahlsenders Premiere setzte mit Bekanntgabe der Entscheidung zum Sinkflug an und musste sogar kurzzeitig vom Handel ausgesetzt werden. Kein Wunder: Mit dem populären Kick, den Premiere seit Jahren überträgt, hat Georg Koflers mit Investorenkapital aufgestockte Pay-TV-AG einen Großteil ihrer zahlenden Kunden akquiriert.
Rechte-Nachfolger Arena, eine 100-prozentige Tochter der Unity Media, zu der sich die Kabelnetzbetreiber Iesy und Ish zusammengeschlossen haben, muss nun eine eigene Fußballredaktion aufbauen - Know-how als Programmacher besitzen diese Firmen bisher nicht. Gut möglich, dass man sich hier auf erfahrene Kräfte des Vorgängers Premiere stützt. Die Situation gleicht jener von 1999, als der Frauensender TM3 von Rupert Murdoch plötzlich auf Champions League umgesattelt wurde. Die europäische Meisterliga ist übrigens auch das, was Premiere langfristig an teurem Fußball (ebenfalls bis 2009) bleibt.
Auf welchen Kanälen und Plattformen Arena ihre Rechte, die auch die Ausstrahlung via Satellit umfassen, verwerten wird, ist noch nicht klar. Um eine bundesweite Abdeckung aller Kabelnetze zu erreichen, müssten sich die Arena-Gesellschafter, die in Hessen und NRW tätig sind, mit anderen Betreibern, vor allem dem Branchenführer Kabel Deutschland, zusammentun. Mit der heißen Ware Fußball könnten sie dann erheblich stärker bei der Vermarktung ihrer digitalen Programmpakete auftrumpfen. Ein Bundesliga-Abo - so hieß es bei der DFL - soll künftig für rund 20 Euro im Monat, also günstiger als bei Premiere, angeboten werden.
Kein Durchbruch für Pay-TV
Insgesamt bedeutet aber die Entscheidung der Deutschen Fußball-Liga, dass der Durchbruch des Pay TV in Deutschland weiter verschoben wird. Premiere hatte unter der Bedingung mitgesteigert, den frei empfangbaren Fußball am Samstag auf den Spätabend nach 22 Uhr zu verdrängen.
Schon seit Jahren klagen interessierte Kräfte in der Medienwirtschaft, dass man in Ländern wie Großbritannien oder Italien mit dem Bezahlfernsehen schon viel weiter sei. Daran wird sich nach der DFL-Entscheidung prinzipiell nichts ändern. Fußball bleibt hierzulande weiterhin - jenseits der Rundfunkgebühr - in einen ordentlichen Umfang frei.
Die DFL rühmt sich sogar, dass bei ihrer Entscheidung nicht das höchste Gebot - Premiere hatte laut Kofler zuletzt über 300 Millionen Euro geboten -, sondern die größte Reichweite entscheidend gewesen sei. Doch das ist nur die halbe Rechnung. Natürlich sorgt eine attraktive Free-TV-Plazierung für höhere Werbeeinnahmen. Das treibt wiederum die Sponsoringerlöse, die bisher die Fernseheinnahmen sogar übertrafen.
Unter dem Strich bekommen die Zuschauer in Deutschland also weiterhin viel Fußball frei. Auch dank der Neufassung der EU-Fernsehrichtlinie werden sie sich allerdings auf noch hartnäckigere Werbe-Bombardements einstellen müssen.
Journalistisch dürfte sich damit nichts an der Bundesliga-Berichterstattung ändern - außer dass die Rechte eben teurer und die Sendungen deshalb vielleicht noch etwas marktschreierischer werden. Die Fußball-Gucker müssen sich lediglich daran gewöhnen, dass die mit reichlich Werbung gepflasterte ARD-Sportschau 20 Minuten später um 18.30 Uhr beginnt. Auch im ZDF-Sportstudio am Samstag abend und beim DSF (Zweite Liga, Erste Liga sonntags ab 22 Uhr) wird wie gehabt Fußball programmiert. Neu ist die Wiedereinführung eines Freitagabendspiels.
Premiere-Aktie brach ein
Während für viele Zuschauer also fast alles beim bleibt, schlägt die Entscheidung wirtschaftlich hohe Wellen. Die Aktie des Bezahlsenders Premiere setzte mit Bekanntgabe der Entscheidung zum Sinkflug an und musste sogar kurzzeitig vom Handel ausgesetzt werden. Kein Wunder: Mit dem populären Kick, den Premiere seit Jahren überträgt, hat Georg Koflers mit Investorenkapital aufgestockte Pay-TV-AG einen Großteil ihrer zahlenden Kunden akquiriert.
Rechte-Nachfolger Arena, eine 100-prozentige Tochter der Unity Media, zu der sich die Kabelnetzbetreiber Iesy und Ish zusammengeschlossen haben, muss nun eine eigene Fußballredaktion aufbauen - Know-how als Programmacher besitzen diese Firmen bisher nicht. Gut möglich, dass man sich hier auf erfahrene Kräfte des Vorgängers Premiere stützt. Die Situation gleicht jener von 1999, als der Frauensender TM3 von Rupert Murdoch plötzlich auf Champions League umgesattelt wurde. Die europäische Meisterliga ist übrigens auch das, was Premiere langfristig an teurem Fußball (ebenfalls bis 2009) bleibt.
Auf welchen Kanälen und Plattformen Arena ihre Rechte, die auch die Ausstrahlung via Satellit umfassen, verwerten wird, ist noch nicht klar. Um eine bundesweite Abdeckung aller Kabelnetze zu erreichen, müssten sich die Arena-Gesellschafter, die in Hessen und NRW tätig sind, mit anderen Betreibern, vor allem dem Branchenführer Kabel Deutschland, zusammentun. Mit der heißen Ware Fußball könnten sie dann erheblich stärker bei der Vermarktung ihrer digitalen Programmpakete auftrumpfen. Ein Bundesliga-Abo - so hieß es bei der DFL - soll künftig für rund 20 Euro im Monat, also günstiger als bei Premiere, angeboten werden.
Kein Durchbruch für Pay-TV
Insgesamt bedeutet aber die Entscheidung der Deutschen Fußball-Liga, dass der Durchbruch des Pay TV in Deutschland weiter verschoben wird. Premiere hatte unter der Bedingung mitgesteigert, den frei empfangbaren Fußball am Samstag auf den Spätabend nach 22 Uhr zu verdrängen.
Schon seit Jahren klagen interessierte Kräfte in der Medienwirtschaft, dass man in Ländern wie Großbritannien oder Italien mit dem Bezahlfernsehen schon viel weiter sei. Daran wird sich nach der DFL-Entscheidung prinzipiell nichts ändern. Fußball bleibt hierzulande weiterhin - jenseits der Rundfunkgebühr - in einen ordentlichen Umfang frei.
Die DFL rühmt sich sogar, dass bei ihrer Entscheidung nicht das höchste Gebot - Premiere hatte laut Kofler zuletzt über 300 Millionen Euro geboten -, sondern die größte Reichweite entscheidend gewesen sei. Doch das ist nur die halbe Rechnung. Natürlich sorgt eine attraktive Free-TV-Plazierung für höhere Werbeeinnahmen. Das treibt wiederum die Sponsoringerlöse, die bisher die Fernseheinnahmen sogar übertrafen.
Unter dem Strich bekommen die Zuschauer in Deutschland also weiterhin viel Fußball frei. Auch dank der Neufassung der EU-Fernsehrichtlinie werden sie sich allerdings auf noch hartnäckigere Werbe-Bombardements einstellen müssen.
Externe Artikel
21.12.2005
Financial Times Deutschland
21.12.2005
Handelsblatt
21.12.2005
Premiere
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Zuletzt bearbeitet 21.12.2005 15:52 Uhr
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