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Plasberg, Leyendecker und der Journalistenrabatt

Alle Jahre wieder wird die Sau namens Presserabatte durchs Journalisten-Dorf getrieben. Die Wortführer der Branche, die praktischerweise meist aus wohldotierten Jobs bei Zeitungen oder Fernsehanstalten kommen, warnen dann im Namen der journalistischen Unabhängigkeit vor der Inanspruchnahme von Vergünstigungen - und in der Regel nickt das Fußvolk auch fromm dazu.

Da brachte der letzte Hart aber fair-Talk immerhin etwas Neues. In der Sendung, in der es um Korruption und Betrug als "Schmierstoff der Gesellschaft" ging, bekannte Moderator Frank Plasberg, selbst 18 Prozent Journalistenrabatt für den Kauf eines Autos "der oberen Mittelklasse" in Anspruch genommen zu haben. "Das ist nicht in Ordnung", bescheinigte ihm vor laufender Kamera Hans Leyendecker. Der Enthüllungsjournalist der Süddeutschen Zeitung warnte, das Thema Korruption im Journalismus werde viel zu wenig beachtet.

Beim WDR habe Plasbergs "Geständnis" für viel Diskussion gesorgt, berichtet die Financial Times Deutschland. "Problematisch ist so etwas erst dann, wenn man Angebote in Anspruch nimmt, die auch den Bereich betreffen, über den man berichtet", wird Hart aber Fair-Produzent Jürgen Schulte zitiert - ein Argument zur Güte, das allerdings nicht neu ist. Fehlt eigentlich nur noch der Hinweis, dass man 18 Prozent Rabatt beim Autokauf auch als Normalbürger herausschlagen könnte, um die Diskussion endgültig zu relativieren.

Wahrscheinlich hat Leyendecker also gar nicht Unrecht, wenn er einen "blinden Fleck" bei Journalistenrabatten entdeckt. Kurioserweise musste aber auch er einräumen, einen Journalistenrabatt in Anspruch zu nehmen. Nein, nicht er persönlich, sondern die Süddeutsche Zeitung: Sie lässt ihre Redakteure mit Bahncards zum Jounalistenrabatt reisen. Die Alternative, selbst zu zahlen, nimmt Leyendecker nach eigener Aussage nicht auf sich: "Da liegt die Sünde."
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