Bancrofts nehmen das Geld, Murdoch bekommt das "Wall Street Journal"
Artikel
| 01.08.2007

Es lächelt der neue Verleger. Solche Headcuts sind ein Markenzeichen des Wall Street Journals. Ob Rupert Murdoch diese und andere Eigenheiten respektieren wird?
Aus: Wall Street Journal
Aus: Wall Street Journal
Sorge um Integrität
Monatelang hatte Murdoch bei den diversen Familien-Trusts, die das Vermögen der über 30 erwachsenen Mitglieder der Bancrofts verwalten, um den renommierten Wirtschaftsverlag geworben. Doch die Bancrofts zeigten sich uneins. Es ging um Geld, das Ansehen der Familie und um die redaktionelle Integrität des Journals. Anfang Juni demonstrierten sogar 200 Journalisten gegen einen Verleger Murdoch.
Der weltweit agierende Australier mit US-Pass steht in dem Ruf, mit seiner Medienmacht Politik zu betreiben. So unterstützten seine Blätter in Großbritannien (u.a die Times und The Sun) Premierminister Tony Blair und machten Stimmung gegen die europäische Integration; in den USA trommelte sein streng konservativer Fox-Network für Präsident Bushs Irak-Politik.
Ein Stimmungsmacher als Käufer des mit ehernen journalistischen Grundsätzen bewehrten Journals? Das passte nicht recht zusammen. Murdoch versuchte, die Bedenken zu zerstreuen: Er schlug die Gründung eines redaktionellen Aufsichtsrates vor und kündigte nach dem Zuschlag vier zusätzliche Nachrichenseiten an.
Allerdings hat das Wall Street Journal nicht nur eine glänzende Marke zu verteidigen, sondern ist in den letzten Jahren wie die gesamte US-Zeitungs-Industrie in finanzielle Turbulenzen geraten. Die internationalen Ausgaben wurden deshalb zurückgefahren und Druckkosten durch Format-Verkleinerungen eingespart. Murdochs Offerte war denn auch die einzige, die auf dem Tisch lag.
Fünf Milliarden Dollar
Letztlich siegte das Geld: Murdochs Kaufangebot von 60 Dollar pro Aktie lag - vor seiner Veröffentlichung im Mai - 67 Prozent über dem Borsenkurs und bewertete das Unternehmen mit rund fünf Milliarden Dollar. Der Anteil der Bancrofts, die knapp 25 Prozent des Kapitals halten, aber mit 64 Prozent die Mehrheit der Stimmrechte besitzen, wird damit um rund 500 Millionen auf 1,25 Milliarden Dollar aufgewertet. Der Deal soll bis Jahresende abgeschlossen sein.
Ob Murdoch klug genug ist, dem Journal seine Unabhängigkeit zu lassen, muss sich in Zukunft erweisen. Er würde seine Leser aus der Business-Class verprellen, täte er es nicht. Eines steht allerdings fest: Das Wall Street Journal fällt nicht in die Hände von Finanzinvestoren, es geht an einen 76 Jahre alten Familienverleger.
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