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Neue Zürcher Zeitung

Globale Nachrichtensender führen Kampf ums Weltbild

Immer mehr Länder gründen internationale TV-Nachrichtensender. Anders als beim Urgestein CNN stehen dabei aber "nicht wirtschaftliche, sondern politische und publizistische Motive im Vordergrund", heißt es aus gegebenem Anlass - dem Start von Al Jazeera English - in der NZZ. Vielmehr erfülle die globale Fernsehpräsenz für Nationen und Weltregionen eine wichtige politische, ökonomische und kulturelle Funktion: "Der Kampf ums Weltbild findet heute auf dem Bildschirm statt."

Allein über der arabischen Region, wo über Arabsat und Nilesat rund 200 Sender, dabei etwa 20 Nachrichtensender, ihre Programme abstrahlen, herrscht ein "Wettrüsten am Satelliten-Himmel". Dort führte der Irak-Krieg 2003 zur Gründung der sender al-Arabiya in Dubai und al-Alam im Iran, denen die USA Anfang 2004 al-Hurra entgegensetzten. al-Dschasira ist mit seinem arabischen Programm bereits seit 1996 auf Sendung.

Doch nicht nur die arabische Welt ist fernsehtechnisch umkämpft. In Südamerika gründeten Venezuela, Argentinien, Kuba und Uruguay 2005 gemeinsam den Sender Telesur; im gleichen Jahr startete mit Russia Today ein englischsprachiges 24-Stunden-Programm aus Moskau. Noch in den Vorbereitungen befindet sich Frankreich mit France 24, der auf Französisch und Englisch senden soll.

Public Diplomacy nennt sich diese Art der "professionell organisierte[n] Kommunikation zwischen der Regierung und den Institutionen eines Staates mit den Bürgern eines anderen Staates", wie wir von NZZ-Autorin Miriam Meckel lernen. Die war einst politisch am Medienstandort NRW engagiert; heute erforscht sie als Professorin für Kommunikationsmanagement in St. Gallen "Formen und Funktionen globaler TV-Nachrichtensender".
Zuletzt bearbeitet 18.11.2006 12:26 Uhr
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