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Tagesspiegel, Tageszeitung, Menschen Machen Medien

Über die deutsche Medien-Einheit wird kaum geschrieben

Anlässlich des 20-jährigen Jubiläums des 9. November läuft das Thema deutsche Einheit auf allen Kanälen. Nur von der Vereinigung der Medienlandschaft ist so gut wie gar nichts zu hören und zu lesen. Kein Wunder: Müssten doch die großen westdeutschen Verlage darüber schreiben, wie sie die ostdeutsche Presselandschaft unter sich aufgeteilt haben. Während Rudolf Mühlfenzl, "treu-bayerischer CSU-Parteisoldat und ehemaliger Chefredakteur des Bayerischen Rundfunks" (taz), als "Rundfunkbeauftragter der neuen Bundesländer" laut Einigungsvertrag den DDR-Rundfunk abwickelte, trotz Hörer-Demos das spannende Jugendradio DT 64 schloss und ausgerechnet den Deutschlandsender Kultur mit wurde die DDR-Presse in die Marktwirtschaft entlassen.

"Dass heute mit wenigen Ausnahmen nur die ehemaligen SED-Bezirksblätter überlebt haben - und damit in fast allen Städten Ostdeutschlands und erst recht auf dem Lande eine Monokultur der Presse herrscht -, ist einer der vielen Skandale bei der Abwicklung des medialen Volksvermögens", findet taz-Medienredakteur Steffen Grimberg. Die alternative West-Berliner Tageszeitung machte nicht mit dabei. Allerdings ging der erstmals am 26. Februar 1990 auf Papier des Neuen Deutschlands gedruckten und in den Räumen der Westabteilung des ZK der SED untergebrachten Ost-taz mit der Währungsunion schon wieder die Luft aus.

Von den etablierten DDR-Blättern überlebte laut dem Medienbericht der Bundesregierung von 1998 nur die Hälfte. Ein Kapitel für sich war die Übernahme des Berliner Verlages durch Gruner+Jahr. Das Hamburger Zeitschriftenhaus brachte keines seiner Ost-Magazine durch. "Ob Freie Welt, Für Dich, Horizont, F.F.dabei oder Wochenpost – sie alle wurden vom neuen Eigner in kürzester Zeit herunter gewirtschaftet oder verkauft", schreibt die Ver.di-Zeitschrift M verbittert. Mit dem Verkauf der Berliner Zeitung an Tagesspiegel-Eigentümer Holtzbrinck samt Abwälzung des Kartellrisikos provozierten G+J zudem eine unheilvolle Zeitungs-Odyssee, nachdem sich die Verlag zuvor jahrelang bekriegt hatten.

Natürlich war auch in diesem Fall nicht alles schlecht: "Für die Medienkonsumenten hatte die neue Attraktivität der Medienmetropole Berlin überwiegend positive Effekte. In keiner anderen deutschen Stadt gibt es eine solche Fülle hochwertiger Zeitungstitel", heißt es bei M. Und der Tagesspiegel erinnert ironiefrei daran, dass die meistgelesene Zeitschrift in den "neuen Ländern" Burdas 1990 gegründete SuperIllu ist, die eine erstaunlich wendige Karriere von der Nackedei-Postille zum Ostalgie-Organ hinlegte. Auch wenn statt 900.000 Exemplaren nur noch 460.000 Hefte verkauft werden, ist West-Import Jochen Wolff dort immer noch Chefredakteur.
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