Zeitungsseiten in Fertigbauweise

Die Zeitungskrise hat den Nachrichtenagenturen ein neues Geschäftsfeld eröffnet: die Lieferung kompletter Seiten einschließlich Glosse. Der Nordkurier in Neubrandenburg (Mecklenburg-Vorpommern) hat als erste deutsche Tageszeitung eine solche Dienstleistung vom Deutschen Depeschen-Dienst (ddp) eingekauft. Mit Hilfe der "Instant-Seiten" (Kress) will das Blatt einen Teil der 40 Redakteure im Mantelteil wegrationalisieren. Schon im Mai hatte der Nordkurier im Zeichen der Zeitungskrise Politik, Wirtschaft und Vermischtes zu einem zentralen Nachrichtenressort zusammengelegt und dabei 14 Stellen abgebaut. "Der Qualitätsjournalismus soll erhalten bleiben", wird Nordkurier-Chefredakteur Manfred Christoffer im Berliner Tagesspiegel zitiert. Die lokalen und regionalen Seiten mache man weiter aus eigener redaktioneller Kraft. Ratgeber und Panorama-Seite werden hingegen ab 1. September wie auch die Berlin- und Brandenburg-Teile komplett angeliefert. Dass der ddp auf ein neues Absatzfeld hofft, beweist die Einrichtung eines eigenen Geschäftsbereiches "Ganzseitenproduktion". Outsourcing ist indes auf dem Regionalzeitungsmarkt nichts Neues. Bislang tummelten sich auf diesem Markt vor allem private Redaktionsbüros. Viel Geld gibt es dort nicht zu verdienen - was man den Inhalten ansieht. Auch für die großen Agenturen lohnt sich dieses Geschäft mit der Krise erst bei größeren Kundenzahlen.
Zuletzt bearbeitet 13.08.2002 11:16 Uhr