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Frankfurter Rundschau, Tageszeitung

Wunderbares Zeitungstheater mit den Herren DuMont junior und senior

Vor einer Woche hatte sich Jung-Verleger Konstantin Neven DuMont in einem Editorial um die Zukunft des investigativen Journalismus in der Digitalisierung gesorgt. Letztes Wochenende legte nun sein Vater Alfred Neven DuMont nach - und zeigte wieder einmal, dass er ganz anders kann: Selbst vor Politiker-Schelte und der unter deutschen Verlegern bislang als Tabu geltenden Forderung nach Staatshilfe für die Zeitungsbranche schreckt der Senior nicht zurück.

"Es ist zu fordern, dass die deutsche Politik nicht länger abseits steht und zielstrebig ein eigenes Programm auflegt", schreibt DuMont. Während in anderen Ländern die Presse subventioniert werde, gebe es von deutschen Politikern nur Sonntagsreden. Das sei kein Zufall: "Nachdem die Anstalten des öffentlichen Rechts gebändigt sind, ist - bis auf gelegentliche Ausrutscher der Wochenzeitungen - nur noch von den Tageszeitungen eine ernsthafte kritische Haltung zu befürchten."

Kartellamt und preußischer Presseoffizier
Der Kölner Patriarch zieht auch sonst kräftig vom Leder: Gegen das vom neuen NRW-Mediengesetz vorgesehene Aufsichtsgremium für den Privatfunk sei selbst "der preußische Presseoffizier, der die Zeitungen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts knebelte, noch Gold" gewesen. Und im Bundeskartellamt sieht Neven DuMont Juristen walten, "die mit Eifer und geradezu mit Fanatismus den Auftrag der Politik erfüllen und das Wachstum der Verlage in und an ihren Grenzen von vornherein unmöglich machen". Selbst Zeit und Spiegel bekommen wegen ihrer Berichterstattung über die Zeitungsbranche ihr Fett weg: "Es heißt, dass eine Krähe der anderen kein Auge aushackt."

Der mit Abstand verständnisvollste Kommentar zur Philippika des alten DuMont steht heute in der taz. "Dass die DuMonts Zeitungen lieben, ist unbestritten. Dass sie nach - zum Teil bedenklichen - Lösungen suchen, ehrenwert. Dass es dabei auch um einen schwierigen, in manchen Zügen beinahe tragikomischen Vater-Sohn-Konflikt plus Generationswechsel in einem der großen deutschen Traditionspressehäuser geht, macht daraus wunderbares Zeitungstheater."
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