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Neue Zürcher Zeitung

Viereinhalb Medienjahre im Zeichen des Terrors

Die letzten viereinhalb Medienjahre seit den Anschlägen des 11. September 2001 waren "gekennzeichnet durch Tote, Geiselnahmen, Manipulations- und Druckversuche, Landesverweise, einseitige Berichte, konkurrenzbedingte Aufbauschungen, Falschinformationen und Rücktritte", schreibt die Neue Zürcher Zeitung. Zum Beleg verweist sie einerseits auf die blutige Bilanz im Irak, wo seit der US-Invasion im März 2003 76 Journalisten und Medienmitarbeiter getötet wurden; umstritten blieb, ob in allen Fällen, wo Journalisten durch Soldaten umkamen, nur ein Versehen vorlag.

Doch auch die "Heimatfront" blieb nicht verschont. Mit dem Ausbleiben des Erfolges im Irak wuchs selbst in den USA und Großbritannien die Kritik. Allerdings waren die kritischen Recherchen öfters zu wenig stichhaltig, um die Vorwürfe aufrechtzuerhalten. In der Folge musste die Spitze der BBC ebenso wie in den USA der bekannte CBS-Anchor Dan Rather zurücktreten. Das britische Boulevardblatt Daily Mirror publizierte gar gefälschte Fotos irakischer Folteropfer. Die New York Times wiederum musste sich unkritische Berichterstattung vor dem Krieg ankreiden lassen.

Jüngst sorgte in der Schweiz ein vom Sonntags-Blick veröffentlichtes Geheimdienst-Argument für Aufsehen. Der NZZ-Artikel kreidet den Boulevard-Kollegen an, mit dem "Ziel einer optimalen Selbstvermarktung" die Bedeutung des abgefangenen Fax "massiv" überhöht zu haben. Die Aufregung über die Landesgrenzen hinaus habe zudem gezeigt, dass Bushs Krieg gegen den Terrorismus auch zum "'Weltkrieg' der (vermeintlichen) Tatsachen und Meinungen" geworden sei.
Zuletzt bearbeitet 22.01.2006 12:04 Uhr
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