Verpasste Chance: Ringier stoppt iPad-Magazin wegen schlechter Verkaufszahlen

The Global Baby, zweite Ausgabe des Ringier-Magazins The Collection
Foto: Ringier
The Global Baby, zweite Ausgabe des Ringier-Magazins The Collection
Foto: Ringier
Nach nur zwei Ausgaben hat der Schweizer Verlagskonzern Ringier sein iPad-Magazin The Collection wieder eingestellt. Die aufwändig gestaltete, stolze 3,99 Euro/CHF 5,50 teure App mit multimdialen Elementen hatte sich zu schlecht verkauft. "Wir haben ganz klar gelernt, dass der Endverbraucher nicht mehr bereit ist, für Content zu bezahlen", sagte der für das Digitalmagazin verantwortliche Ringier-Manager Thomas Trüb gegenüber der Medienwoche.

Überschaubarer Markt
Nur wenige Verlage haben sich bisher an rein digitale Magazine heran getraut. In Deutschland leistet sich Springer schon seit dem Marktstart des iPad das 1,59 Euro teure Lifestyle-Magazin Iconist, das ähnlich wie The Collection auf aufwändige Gestaltung setzt.

Dagegen zielt Rupert Murdochs News Corp. mit The Daily, der ersten iPad-Tageszeitung, seit 2. Februar 2011 auf den Massenmarkt. Einstandspreis: 99 Cent pro Woche. Seit ein paar Tagen existiert neben der US-Ausgabe auch eine für Großbritannien. Aktuelle Geschäftszahlen gibt es nicht.

Schnee von gestern
Das schnelle Aus der Ringier-App spricht nun nicht gerade für das neue Genre. Es spricht allerdings auch nicht für Ringier, dessen PR im April noch das "weltweit erste monothematische Tablet-Magazine" gefeiert hatte. Fünf Monate später sind die vollmundigen Ankündigungen eines "Appazines" auf Deutsch, Englisch und Chinesisch schon wieder Schnee von gestern.

Anders als bei einem Print-Lauch wurde so gut wie keine Werbung betrieben. Vielleicht ist es auch zu schwer, für ein mono-thematisches Magazin, dessen erste beiden Ausgaben sich einmal mit der britischen royal wedding, das zweite Mal mit Techniken der Repoduktionsmedizin ("The Global Baby") beschäftigen, einen gemeinsamen Marken-Kern zu finden. Quälten die Macher etwa Sorgen um die Fortpflanzung der britischen Königsfamilie?

Unter dem Strich bleibt eine verpasste Chance.