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Financial Times Deutschland

Streit um Brender verschoben - Zeit für ein paar Fakten

Im Streit mit dem hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch haben ZDF-Intendant Markus Schächter und sein zur Disposition stehender Chefredakteur Nikolaus Brender Zeit gewonnen: Die Personalentscheidung soll erst nach den Wahlen im Herbst fallen. Bis dahin will Schächter ein Gutachten zur Interpretation der ZDF-Satzung vorlegen, wie genau das "Einvernehmen" zwischen Verwaltungsrat und Intendant bei der Besetzung von Direktorenposten herzustellen ist.

Zeitspiel? Zeit für ein paar Fakten, meint die Financial Times Deutschland: Kochs Vorwurf, Brender habe einen Quotenverfall der ZDF-Nachrichtenangebote bei jungen Zusehern zu verantworten, stehe "auf dünnem Fundament". Zwar habe Heute bei der Zielgruppe zwischen 14 und 49 Jahren ihren durchschnittlichen Marktanteil seit Brenders Amtsantritt 2000 auf nur noch 5,6 Prozent fast halbiert, beim Heute Journal seien die Quotenverluste aber geringer - wenngleich die Zuschauer über 65 auch hier die größte Zielgruppe stellen.

Von der Abwanderung jüngerer Zuschauer sei hingegen auch die Tagesschau betroffen, und selbst RTL bleibe nicht vom generell sinkenden Interesse an TV-Nachrichten verschont. Dagegen halten sich das Mainzer Politmagazin Frontal 21 und die ZDF-Reporter, eine Innovation aus Brenders Ära, quotenstabil.

"An Geld mangelt es beim ZDF nicht", schreibt die FTD. Die Programmausgaben für die Informationsangebote des Zweiten lagen 2007 bei 390 Millionen Euro; in Olympia- und Fußballjahren waren es mit bis zu 512 Millionen Euro jeweils deutlich mehr. Dafür lagen die Gesamteinnahmen in Sportjahren mit fast zwei Milliarden Euro auch höher als in anderen Jahren (1,6 Milliarden).
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