Russischer Millionär und ddp-Gruppe wetteifern um N24

Nachrichtensender sind wohl doch nicht so out, wie man beim hoch verschuldeten ProSiebenSat.1-Konzern glaubt. Sowohl der russische Medien-Unternehmer Dmitri Lesnewski, der vor zwei Jahren mit der Übernahme von Das Vierte ins deutsche Fernsehgeschäft einstieg, als auch die expandierende ddp-Gruppe interessieren sich angeblich brennend für eine Übernahme von N24.

Laut Financial Times Deutschland hat ddp in München bereits eine Fernseh-Tochter gegründet. Geleitet wird die ddp TV AG von Ulrich Ende, der N24 gut kennt: Nach der Sendergründung 1999 war er bis zur Fusion von ProSieben und Sat.1 Chefredakteur, musste allerdings 2002 seinen Abschied nehmen. Grund: "unterschiedliche Auffassung über die künftige Strategie."

Buhlen mit einem Branchen-Eminenz
Beim Buhlen um N24 könnte es der erfahrene Fernseh-Mann Ende allerdings mit einer Branchen-Eminenz zu tun bekommen: Jürgen Doetz. Der ehemalige Sat.1-Geschäftsführer, Chef der Privatfunker-Lobby VPRT, soll nämlich den News-Kanal für den Russen Lesnewski an Land ziehen und dann eine wichtige Position im Sender übernehmen, wie der Spiegel zuerst meldete. Süddeutsche.de bietet gar den kuriosen Titel "Senderchefpräsident" an und munkelt: Da Doetz auch einen Berater-Vertrag mit ProSiebenSat.1 hat, "könnte sich hier der Gedanke aufdrängen, es läge ein klassischer Interessenskonflikt vor". Unterschrieben sei aber noch nichts.

Lesnewski und die ddp-Investoren sind indes nicht die einzigen Interessenten. Zuerst hatte N24-Geschäftsführer Torsten Rossmann seinen Hut für einen Management Buyout mit Hilfe von Stefan Aust in den Ring geworfen. Schon routinemäßig werden auch internationale Schwergewichte wie Rupert Murdoch als Interessenten genannt.

Nur der angeblich Verkäufer, ProSiebensat.1, mag sich nicht festlegen, jedenfalls nicht öffentlich, und das schon seit Monaten. Verkauf oder Restrukturierung, wer weiß, welches Schicksal N24 blüht?