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Frankfurter Allgemeine Zeitung, Frankfurter Rundschau, Tagesspiegel

Proteste, Ungewissheit bei Berliner Verlag und Hamburger MoPo

Auch nach der Aufsichtsratssitzung vom 1. März in einem Berliner Hotel - abseits von den Menschentrauben der Betriebsversammlung und einer um Fünf vor Zwölf anberaumten Pressekonferenz - ist weiterhin ungewiss, wie der Berliner Verlag auf die hochgeschraubten Renditeziele seiner neuen Eigentümer getrimmt werden soll.

Sie Stimmung in Berlin sei ja schon seit Monaten "kämpferisch", vermeldet die Frankfurter Rundschau in bestem Gewerkschafts-Sound. Doch auch bei der jüngst hinzugekauften Hamburger Morgenpost demonstrierte die halbe Belegschaft Geschlossenheit, zumal die ersten zwölf Kündigungen in Korrektorat, Archiv, Personalabteilung und Buchhaltung anstehen.

Etwas genervt wirkt hingegen die Beobachterin des Tagesspiegels . "Mangels schlechter Nachrichten aus der Konzernspitze herrscht unter den Mitarbeitern derzeit Ruhe, auch wenn diese Ruhe gespenstisch anmutet. Um so mehr bemühen sich der Konzernbetriebsrat und die Gewerkschaften darum, Unruhe zu verbreiten", heißt es dort. Ziemlich keck, wenn man bedenkt, dass der Tagesspiegel selbst lange als Bauernopfer von Holtzbrincks Berliner Expansionsplänen gehandelt wurde.

Es scheint jedenfalls nicht nur Alarmismus zu sein, wenn die Betriebsratsvorsitzende Renate Gensch gegenüber der FAZ einen Stellenabbau im dreistelligen Bereich befürchtet - bei 750 Mitarbeitern im Berliner Verlag samt Druckerei. Die Mitarbeiter fordern nun den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen und eine Bestandsgarantie für die Verlagstitel. Nach der Berliner Zeitung hat sich auch das Stadtmagazin tip ein Redaktionsstatut gegeben. Aufsichtsrats-Chef David Montgomery empfahl den Journalisten indes, lieber das Leben zu genießen: "Enjoy your life."
Zuletzt bearbeitet 02.03.2006 13:15 Uhr
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