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Deutschlandradio, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Süddeutsche Zeitung, Kölner Stadt-Anzeiger

Neue Vorwürfe gegen China-Programm der Deutschen Welle

Der Streit um die China-Berichterstattung der Deutschen Welle, die in der Sperre für eine leitende Redakteurin gipfelte, ist - anders als in der Netzpresse vermutet - noch nicht verraucht. Er geht in kleinerem Kreise, dafür aber umso erbitterter, weiter. Ausgerechnet vom Deutschlandfunk - sozusagen von öffentlich-rechtlicher zu öffentlich-rechtlicher Anstalt - kam der Vorwurf des Gefälligkeitsjournalismus'. "Man muss kein Dissident sein, um zu dem Schluss zu kommen, dass das chinesische Programm stark an den Stil sozialistisch-kommunistischer Propaganda erinnert", heißt es in einem Beitrag der Reihe Kultur Heute.

Bei der Berichterstattung der chinesischen Homepage zu den Themen Tibet und Olympische Spiele entstehe der Eindruck, es handele sich beim deutschen und beim chinesischen Dienst der Welle "um zwei verschiedene Medien, die sich womöglich bekämpfen", so der DLF. "Anhänger und Freunde" des chinesischen Programms "wie der dort häufig zitierte und interviewte Chinaexperte" Eberhard Sandschneider forderten dagegen die Wiedereinsetzung der Redakteurin Zhang Dahong, "um negative Reaktionen aus China zu vermeiden".

Kritik kam auch von der Wirtschaftswissenschaftlerin Qinglian He, deren Buch "China in der Modernisierungsfalle" dort inzwischen verboten ist. Die in die USA emigrierte Wirtschaftswissenschaftlerin sagte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, sie habe ihre Tätigkeit für die Deutsche Welle beendet, nachdem die Redaktion sie gebeten habe, keine Kolumnen mehr zu schreiben, sondern nur noch Nachrichten. Später habe sie aus Peklinger Quellen erfahren, "ein Abteilungsleiter des Propagandaministeriums habe einen Vertreter der Deutschen Welle bei dessen Besuch in Peking darum gebeten, meine Tätigkeit zu beenden". Vor einer Woche habe man sie gebeten, wieder für die Deutsche Welle zu kommentieren. Das habe sie angelehnt: "Der Einfluss der chinesischem Regierung bleibt, und die Position der Deutschen Welle dazu ist nicht geklärt."

Unter Druck gerät durch das Thema China Erik Bettermann. Der Welle-Intendant musste zu den Vorwürfen vor den Bundestags-Ausschüssen für Äußeres sowie für Kultur und Medien Stellung beziehen. Bettermann sagte, sein Sender wolle alle chinesischen Hörfunk-Beiträge aus dem vergangenen Jahr zur Prüfung ins Deutsche rückübersetzen lassen. Der Kölner Stadt-Anzeiger zitiert einen CDU-Bundestags-Abgeordneten, der den politischen Druck auf den Intendanten "verschärfen" will, und titelt darüber: "Affäre Bettermann?".
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