Nichtmögliche Refinanzierbarkeit verbessert sich
Damit wollen sich die Landesmedienanstalten allerdings nicht zufrieden geben. Schon länger bemängeln sie ein Informations-Defizit der Privaten. Neu ist das Ziel, bis Ende des Jahres eine Selbstverpflichtung der Sender zu erreichen, die verbindliche Anforderungen an die Inhalte von Vollprogrammen stellt - und zwar gestaffelt nach Reichweite, da sich (bitte vor dem Weiterlesen festhalten) die "nichtmögliche Refinanzierbarkeit auf den jeweiligen Sendeplätzen [...] mit zunehmender Reichweite des Programms verbessert", wie Norbert Schneider, scheidender Direktor der Landesanstalt für Medien NRW, in einer Pressemitteilung darlegt.
Noch mysteriöser klingt die Ankündigung, den Privaten die Nachrichten mit "positiven Anreizen" schmackhafter zu machen. Nun, Gebühren scheiden in diesem Falle wohl aus. Die "rechtlichen Möglichkeiten eines Anreizsystems für Vollprogramme" sollen in einem Gutachten ausgelotet werden - gemeinsam mit den beiden großen Privatsender-Gruppen. Denn Defizite sehen die Medienwächter auch im Reich des Peter Klöppel.
Stiefkind Politik
Zwar liegt bei dort das das Nachrichtenvolumen "relativ konstant" bei einer Stunde pro Tag; zusammen mit RTL 2 und Vox bringt es die RTL-Riege sogar auf 1:45 Stunde. Doch zeigen beide Privatsender-Gruppen den gleichen Mangel: "In der Regel wird in diesen Programmen weniger als ein Drittel der verfügbaren Nachrichtenzeit für die politische Berichterstattung verwendet", so der Berliner Publizistik-Professor Hans-Jürgen Weiß, dessen Potsdamer Göfak Medienforschung die Daten erhoben hat.
Außerhalb der Nachrichten wiederum kommt vor allem in den ProSiebenSat.1-Vollprogrammen so gut wie keine Politik vor. RTL hingegen platziert zwar weitere politische Beiträge in Magazin-, Reportage- und Dokumentationssendungen, kompensiert dies aber durch den höchsten Anteil an Boulevardthemen.