Der Fall erinnert natürlich an den "Borderline"-Journalisten Tom Kummer, der in den wilden 1990er Jahren des Pop-Journalismus die Interview-Fälscherei zur Kunstform (v)erklärt hatte. Im Jahr 2000 ging die Kummer-Nummer hoch wie eine Bombe - mit dem SZ-Magazin mitten im Explosionsgebiet. Die Neon-Chefredakteure Timm Klotzek und Michael Ebert arbeiteten damals im selben Haus eine Generation tiefer bei der damaligen SZ-Jugendbeilage Jetzt.
Nicht so wild wie Tom Kummer
Ganz so wild wie Kummer hat es Mocek in seinen Interview-Kompositionen offenbar nicht getrieben. Insgesamt fünf Texte - neben der Butter-Fahrt mit Beyonce auch Gespräche mit Slash (2004), Christina Aguilera, Snoop Doggy Dogg (beide 2006) und Jay-Z (2010) - sollen "nicht wie von ihm vorgelegt stattgefunden haben". Mocek habe bestätigt, "dass er die Prüfinstanz der NEON-Dokumentation getäuscht und das Gespräch nicht wie von ihm vorgelegt stattgefunden hat", heißt es in einer Stellungnahme auf der Neon-Website.
Damit soll dann aber auch für die erfolgreichste Gruner+Jahr-Zeitschriften-Neugründung der letzten Jahre alles wieder in Butter sein. Zum Schluss der Erklärung in eigener Sache ist nur noch eine Entschuldigung fällig, "bei den betroffenen Künstlern und deren Management sowie bei unseren Leserinnen und Lesern". In dieser Reihenfolge.