Süddeutsche Zeitung

Eine kleine Geschichte des Musiksenders Viva

Schön ist das nicht, wie der Viva-Belegschaft nach der 310 Millionen Euro teuren Übernahme durch MTV der Stuhl vor die Tür gesetzt wird. Trotzdem wirkten einige tränenüberströmte Abgesänge, die in den letzten Wochen in den Medienressorts zu lesen waren, so, als ob der Sender Sender den ganzen Tag nur Charlotte Roches Fast Forward gespielt hätte und mit seinem Verlust der Untergang der Popkultur besiegelt sei. Hans-Jürgen Jacobs macht's in der Süddeutschen anders und erzählt einfach mal eine kleine Geschichte des Musiksenders. Wie Viva von Managern des Medienriesen Time Warner ins Leben gerufen wurde, die Kontakt hielten "mit einem Haufen junger TV-Freaks, die nach einer Alternative zu MTV suchten": Rudi Dolezal und Hannes Rossacher von der Videoclip-Schmide Do-Ro Productions, Christoph Post, Jörg A. Hoppe und Marcus Rosenmüller von der Produktionsfirma MME sowie der Jurist Helge Sasse sammelten sich dann in der Viva Medien GmbH. Und Dieter Gorny? Der ausgebildeter Lehrer und Ex-Leiter des Rockbüros NRW, heute oft als Viva-Gründer bezeichnet, kam erst im November 1993, von der Landesregierung eingeführt, als Geschäftsführer dazu. Und Christiane zu Salm? Die formulierte einst bei Bertelsmann das Absage-Schreiben des Managements für das Projekt Viva an Time Warner, bevor sie Mitte der Neunziger selbst als Geschäftsführerin von MTV Deutschland gegen das erfolgreiche Lokalisierungs-Konzept von Viva angehen musste. Im weiteren Verlauf hätten sich Time Warner und die Mitgründer von Viva Medien GmbH dann doch entschlossen, "lieber Kasse zu machen", schreibt Jacobs nüchtern, und liefert noch ein Versprechen, das "Mister Viva" Gorny zum Sendestart 1993 gegeben hatte: "Jeden Tag ein Stückchen mehr Viva."
Zuletzt bearbeitet 10.01.2005 12:07 Uhr