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Doch noch ein Tarifabschluss für Zeitungsredakteure

Fast ein Jahr lang haben Verlage und Journalisten-Gewerkschaften erbittert um einen neuen Tarifvertrag für Tageszeitungs-Redakteure gefeilscht. Als die Journalisten vor allem im Südwesten sogar etwas taten, was deutsche Journalisten sonst selten oder gar nicht tun, nämlich streiken, brachte die zehnte Verhandlungsrunde in Hamburg über Nacht endlich einen Abschluss. Der wirft allerdings - trotz offizieller Erfolgsmeldungen von beiden Seiten - kein gutes Licht auf den Zustand der Branche: Die Gehälter sollen im kommenden Mai nur um 1,5 Prozent steigen; außerdem gibt es einmalige Zahlungen von 200 Euro jeweils im Oktober 2011 und im Februar 2013.

Die freien Journalisten, jedenfalls die meisten von ihnen, bleiben bei den Tarifverhandlungen ohnehin außen vor; lediglich sogenannte "arbeitnehmerähnliche" Freie sind Bestandteil der Tarifverträge. Sie sollen im Oktober 2011 und im August 2012 jeweils zwei Prozent mehr bekommen. Auch die Beschäftigten bei der nach Gewerkschafts-Angaben wachsenden Zahl von tarifflüchtigen Zeitungen bleibt von dem Abschluss unberührt, der insgesamt rund 14.000 Journalisten betrifft.

Erfolgsmeldungen vom allen Seiten
Trotz der geringen Gehaltsaufschläge werteten die Gewerkschaften, deren Mitglieder noch über das Ergebnis abstimmen müssen, das Ergebnis insgesamt als Erfolg. Entgegen der ursprünglichen Verhandlungsposition der Verleger sei der Manteltarifvertrag erhalten und ein Lohn-Dumping für Berufseinsteiger und Jobwechsler verhindert worden, heißt es fast unisono bei DJV und DJU.

Beim journalistischen Streikvolk klingt das etwas anders. Erst auf Druck der streikenden Redaktionen in Baden-Württemberg hätten die "zögerlichen Gewerkschaften" und dort "vor allem der DJV" auch in anderen Ländern Arbeitsniederlegungen organisiert, rüffelte die Stuttgarter Zeitung. Das Ergebnis: Nach Nordrhein-Westfalen schlossen sich "sehr spät" auch Redaktionen in Bayern oder Hessen an.

Unterdessen gab auch der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger, der eine sogenannte Beschäftigungssicherungsklausel durchdrückte, die im wirtschaftlichen Notfall zur Verhinderung betriebsbedingter Kündigungen Eingriffe in den Tarifvertrag erlaubt, eine demonstrative Erfolgsmeldung ab: Der neue Vertrag bringe den Verlagen "Planungssicherheit" bis Ende 2013. Kein Wunder: Der Manteltarifvertrag läuft ja auch bis 31. Dezember 2013.
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