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Süddeutsche Zeitung

Die "merkwürdige Medienfigur" Susanne Osthoff

Eigentlich war es ein Scoop, dass das ZDF am Dienstagnachmittag Susanne Osthoff als erstes deutsches Medium nach ihrer Freilassung interviewte. Doch das für das Heute Journal aufgezeichnete Gespräch mit der tief verschleiert auftretenden Frau wurde nicht gesendet und tags darauf für eine Austrahlung in stark modifizierter Form bearbeitet.

Zu konfus geriet das Frage-und-Antwort-Spiel mit Moderatorin Marietta Slomka: "Frau Osthoff verstand normale journalistische Fragen so wenig wie das Hocharabisch der Frager von al-Dschasira, die tags zuvor ein Interview mit ihr gesendet hatten", berichtet Hans Leyendecker in der Süddeutschen. Als Grund vermutet er Realitätsprobleme eines Trauma-Opfers. "Richtig verständlich war Frau Osthoff nur, als sie über Reisekosten und Honorar sprach. Frau Slomka lehnte Geldzahlungen ab und dankte für das Gespräch."

Darüber vergisst Leyendecker nicht, dass die Berichterstattung über den Fall Osthoff ebenfalls merkwürdig geriet. "Höhepunkt der Geschmacklosigkeit" war die Bild-Schlagzeile "Wird sie geköpft?" Erst zu Wochenbeginn stiftete auch die Deutsche Presse-Agentur Verwirrung mit der Meldung, Susanne Osthoff wolle in den Irak zurückkehren. Ein Kairoer Korrespondent hatte die heiße Nachricht "aus vergleichsweise unverständlichem Gebrabbel" der Archäologin gegenüber al-Dschasira mit Hilfe einer Übersetzerin destilliert; tags darauf wurde der Fehler nicht ordentlich korrigiert.
Zuletzt bearbeitet 29.12.2005 12:51 Uhr
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