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Neue Zürcher Zeitung

Der Einfluss der Wirtschaftsberichterstattung

Die Medien prägen die öffentliche Meinung über die Wirtschaftslage stark. Vor allem in der TV-Berichterstattung herrscht ein "starker Negativismus", der mit einer "sozialoptischen Täuschung" korrespondiert: Die Bevölkerung nimmt "die gesamtwirtschaftliche Situation im Vergleich zur persönlichen Lage stets negativ verzerrt" wahr. Auch die Bild-Zeitung besitzt einen starken Einfluss auf das Konsumklima in Deutschland - die Annahme, Wirtschaftsberichterstattung gehöre nicht zum Kerngeschäft der Boulevardpresse, ist falsch.

All dies geht aus der Habilitationsschrift des Dresdener Kommunikationsforschers Lutz M. Hagen hervor, die mit der Untersuchung der Wirtschaftsmedien eine Forschungslücke schließt. Allerdings bemängelt Stephan Ruß-Mohl, der in der Neuen Zürcher Zeitung auf die Studie aufmerksam macht, die veraltete Datenbasis (1992 bis 1997).

Die Ergebnisse hält er dennoch für gültig. Denn auch die durchaus erfolgreichen Versuche des Forschungsinstituts Medien-Tenor, mit Hilfe von Inhaltsanalysen die Schwankungen des Ifo-Geschäftsklima-Indexes vorherzusagen, zeigten dies: "Trotz allen Veränderungen in der medialen Wirtschaftsberichterstattung beeinflusst diese stark, wie die Wirtschaftssubjekte die Konjunkturentwicklung wahrnehmen - und dann eben auch entsprechend handeln."
Zuletzt bearbeitet 17.02.2006 14:02 Uhr
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