Kölner Stadtanzeiger:
"... muss sich den Vergleich mit Berlusconi gefallen lassen"
Peter Pauls schreibt im Kölner Stadtanzeiger zur Übernahme von ProSiebenSat.1 durch Springer:
"Der neue Riese Springer muss sich den Vergleich mit dem Medienmogul Berlusconi gefallen lassen. Ohnehin, was die Vielfalt seiner künftigen gedruckten und elektronischen Produkte betrifft. Doch auch das - zurückhaltend formuliert - hohe Engagement von Springer in gesellschaftlichen Fragen spricht für den Vergleich mit Italien und unterscheidet den neuen Riesen vom anderen deutschen Großen, der Bertelsmann AG. So spielt Springers Zeitungs-macht schon mal Gesetzgeber oder macht gegen die 'Schlecht-schreibreform' mobil.
Wird diese Übernahme tatsächlich vom Kartellamt genehmigt, wirft der Vorgang ein weiteres grelles Schlaglicht auf die absurde Gesetzeslage in Deutschland, wo Zeitungsverlage - anders als in Österreich, Frankreich oder den Niederlanden - ohne Subventionen auskommen, das Kartellrecht ihnen jedoch marktwirtschaftliches Handeln schlicht verwehrt.
So musste der Verlag M. DuMont Schauberg, in dem der 'Kölner Stadt-Anzeiger' erscheint, eine Beteiligung an einem Nachbarhaus von unter zehn Prozent gegen das Kartellamt erst gerichtlich erstreiten. Alle Versuche, dieses 1976 entstandene Kartellrecht zu ändern, sind in buchhalterischer Weise ignoriert worden mit ebendem Argument, man wolle nicht die Marktmacht eines neuen Berlusconis ermöglichen. Und nun? Der neue Riese tut sich an einem Werbekuchen gütlich, der über die Jahre nicht gewachsen ist, doch kann er verlegerische und journalistische Synergien bilden und über mediale Grenzen hinweg Rabatte anbieten. Der Große darf, was man den Kleinen nicht erlaubt."
"Der neue Riese Springer muss sich den Vergleich mit dem Medienmogul Berlusconi gefallen lassen. Ohnehin, was die Vielfalt seiner künftigen gedruckten und elektronischen Produkte betrifft. Doch auch das - zurückhaltend formuliert - hohe Engagement von Springer in gesellschaftlichen Fragen spricht für den Vergleich mit Italien und unterscheidet den neuen Riesen vom anderen deutschen Großen, der Bertelsmann AG. So spielt Springers Zeitungs-macht schon mal Gesetzgeber oder macht gegen die 'Schlecht-schreibreform' mobil.
Wird diese Übernahme tatsächlich vom Kartellamt genehmigt, wirft der Vorgang ein weiteres grelles Schlaglicht auf die absurde Gesetzeslage in Deutschland, wo Zeitungsverlage - anders als in Österreich, Frankreich oder den Niederlanden - ohne Subventionen auskommen, das Kartellrecht ihnen jedoch marktwirtschaftliches Handeln schlicht verwehrt.
So musste der Verlag M. DuMont Schauberg, in dem der 'Kölner Stadt-Anzeiger' erscheint, eine Beteiligung an einem Nachbarhaus von unter zehn Prozent gegen das Kartellamt erst gerichtlich erstreiten. Alle Versuche, dieses 1976 entstandene Kartellrecht zu ändern, sind in buchhalterischer Weise ignoriert worden mit ebendem Argument, man wolle nicht die Marktmacht eines neuen Berlusconis ermöglichen. Und nun? Der neue Riese tut sich an einem Werbekuchen gütlich, der über die Jahre nicht gewachsen ist, doch kann er verlegerische und journalistische Synergien bilden und über mediale Grenzen hinweg Rabatte anbieten. Der Große darf, was man den Kleinen nicht erlaubt."
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06.08.2005 | Kölner Stadtanzeiger
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Zuletzt bearbeitet 06.08.2005 12:27 Uhr
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