Frankfurter Allgemeine Zeitung, Süddeutsche Zeitung:
Wer bremst die Logik des "immer mehr" bei Springer oder Bertelsmann?

Warum muss ein einzelner Verlag, "der mit der Bild-Zeitung täglich Grenzen auslotet, der bei einer Geisel fragt, ob sie geköpft wird", warum also muss Springer gleich fünf Fernsehsender auf einmal kaufen? Genügen nicht vielleicht auch drei oder vier? So fragt sehr grundsätzlich die Süddeutsche Zeitung und kommt frei nach Michael Moore zu dem Schluss: Die "verquere Logik dieses Immer-Mehr" sei nicht der Ausbund maximaler Weisheit. Da verweist Springer auf den noch größeren Bertelsmann-Konzern; weil Bertelsmann aber 70 Prozent im Ausland umsetzt, gerieten die Gütersloher hierzulande ins Hintertreffen und würden dann wiederum eigene Zukäufe fordern.

Schluss damit: "Es muss auch Personen geben, die auf Gefahren und Grenzen der Meinungsmacht hinweisen", befindet die SZ und findet diese "zum Beispiel bei der Fachkommission KEK", deren Mitglieder sich nur leider in den Verhandlungen mit Springer-Vertretern über einen zu schaffenden Fernsehbeirat "gründlich missverstanden" hätten. Springer bietet nun zwar an, Bild-TV und Cross Promotion auszuschließen; überdies will man 30 Zeitschriftentitel, darunter die Programmies, abstoßen. Ein Zurückrudern könne sich die KEK, die ihre Forderungen als unverhandelbar bezeichnet hat, aber nicht mehr leisten - "Zugeständnisse kämen einer Selbstentmachtung gleich".

Springer hofft hingegen darauf, dass die Direktoren der 15 Landesmedienanstalten eine drohende KEK-Absage mit Dreiviertelmehrheit kippen. Doch hat die Süddeutsche Signale aus bis zu fünf Ländern vernommen, "dass man nicht einfach mehr Meinungsmacht bei Springer erlauben will". Auch SPD-Parteigrößen wie Franz Müntefering, Matthias Platzeck oder Peer Steinbrück gelten angeblich nicht als Freunde einer deutschen Großlösung.

Demnach wäre der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck, der sich für einen TV-Beirat stark gemacht hat, in einer Minderheitsposition. Die FAZ indes weiß, dass der Direktor der rheinland-pfälzischen Landesmedienanstalt, Manfred Helmes, beim Bundeskartellamt wegen möglicher Fusionsauflagen angefragt hat. Es sei ein "konstruktives Gespräch" gewesen, wird Helmes zitiert.

Sollten sowohl KEK am 10. Januar als auch Kartellamt am 20. Januar die Fusion ablehnen, wird es eng für Springer. Ab 7. März darf Haim Saban für den immer noch ausstehenden Verkaufspreis Zinsen verlangen - angeblich 25 Millionen Euro im Monat, so die FAZ. Dass Saban ab diesem Datum auch vom Geschäft zurücktreten können, wird bei Springer allerdings dementiert.
Kommentare:
Seien Sie der Erste, der diesen Beitrag kommentiert >>>