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Wenn der Adblocker den Journalismus bedroht

Es ist ein bemerkenswerter und der Tonalität nach fast schon rührender Schritt, wenn führende deutsche News-Portale ihre Nutzer freundlichst bitten, doch in Zukunft auf Browser-Erweiterungen zur Unterdrückung von Online-Werbung zu verzichten. "Adblocker verhindern bei rund 25 Prozent aller Seitenaufrufe, dass Werbung ausgeliefert wird", heißt es bei Spiegel Online. Und: "Herzlichen Dank für ihr Verständnis."

Das Verständnis hält sich indes in Grenzen, gerade bei der aufgeklärten Netz-Öffentlichkeit. Den Verlags-Portalen - neben Spiegel auch sueddeutsche.de, faz.net, zeit.de, Golem.de und RPOnline - schlägt nun aus einigen Blogs und Status-Updates kübelweise Gehässigkeit entgegen.

Natürlich lässt sich prima über den Nerv-Faktor blinkender Banner und zappelnder Flash-Animationen herziehen. Natürlich kratzt das Tracking der großen Netzwerke an der Privatsphäre. Andererseits: "So lange Nutzer nicht wollen, dass sich Kampagnen an ihnen orientieren, so lange wird Online-Werbung weiter fröhlich penetrant sein", behauptet der bloggende Werber Nico Lumma.

Immer geht es nur um das eine
Ohnehin geht es der Online-Werbung immer um das eine: Aufmerksamkeit. Der Kampf der Werber um die Zuwendung des Nutzers hat in den letzten Jahren zu immer neuen und immer penetranteren Werbe-Formaten geführt. Es ließe sich sogar spekulieren: Je stärker die Werbereichweite durch Werbeblocker eingeschränkt wird, um so penetranter wird der Rest des Publikums bombardiert, als "Belohnung" dafür, dass er auf den Blocker verzichtet.

Nicht allen, aber den an der Kampagne beteiligten Medien darf man jedoch durchaus attestieren, ein gesundes Maß für die Werbung gefunden zu haben. Wenn dem so ist, dann wäre die Genervtheit, die dem "Appell an die Solidarität der Leser und das Anliegen, eine Basis dafür zu schaffen, möglichst große Teile der Qualitätsangebote kostenfrei halten zu können" jetzt entgegenschlägt, nicht zuletzt auch dies: scheinheilig.

Lieber nerven lassen
Der Ärger über die Werbung ist ja nicht neu. Schon vor zwölf Jahren hat das US-Online-Magazin Salon versucht, gegen einen monatlichen Obolus eine werbefreie Version der Website anzubieten. Die Nutzer wollten sich lieber nerven lassen, als zu bezahlen.

Inzwischen gehören Werbeblocker zum Mainstream, und die Macher von Adblock Plus schreiben selbstbewusst vom Internet, das ein "demokratisches Medium" sei: "Nutzer lassen sich hier nichts aufzwingen und User können mit Hilfe von Tools wie Adblock Plus selbst entscheiden, wann und welche Art von Werbung sie bereit sind zu akzeptieren."

Internet ist kein Privat-Fernsehen
Recht haben sie, wir sind ja hier nicht beim Privat-Fernsehen. Und doch erinnert das Wort-Geklingel vom "demokratisches Medium" verdächtig an die Selbstbeweihräucherung der Verlage, wenn sie die demokratische Funktion ihrer Qualitätspresse beschwören.

Vom Pathos abgesehen: Journalisten sind für ihre Inhalte verantwortlich, nicht für die Werbung, die diese Inhalte finanziert. Wer aber Journalismus kostenlos konsumieren will, muss mit Werbung dafür bezahlen, sonst gibt es bald keinen kostenlos konsumierbaren Journalismus mehr. Eine bessere Idee hat bisher noch niemand gehabt.
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