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"Weltbild" ist der Katholischen Kirche zu erfolgreich

Artikel | 07.07.2008 17:32 Uhr
Bau auf, bau auf: Erweiterung des Weltbild-Logistikzentrums im Jahr 2004.
Foto: Weltbild-Verlagsgruppe
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Bau auf, bau auf: Erweiterung des Weltbild-Logistikzentrums im Jahr 2004.
Foto: Weltbild-Verlagsgruppe
1,94 Milliarden Euro hat die Weltbild-Verlagsgruppe im letzten, am 30. Juni zuende gegangenen Geschäftsjahr umgesetzt - ein satter Sprung um 21 Prozent. Dennoch soll die Geldkuh verkauft werden. So jedenfalls darf man eine Pressemitteilung verstehen, die eine "sorgfältige Prüfung" der Gesellschafterstrukturen annonciert: "Als Ergebnis dieser Prüfung ist auch eine Ergänzung oder Änderung des Gesellschafterkreises möglich."

Der überraschende Vorgang klärt sich auf, wenn man weiß, wer diese "sorgfältigen Prüfer" sind. Hinter Weltbild steht nämlich die katholische Kirche. Als Gesellschafter sind 14 Diözesen - mit den Bistümern Mainz, München und Augsburg als größten Anteilseignern - sowie die Soldatenseelsorge Berlin eingetragen. Offenbar ist der Kirche der wirtschaftliche Erfolg nun unheimlich geworden, zumal Weltbild alles verkauft, was Geld bringt - eher keine katholischen Erbauungsschriften. "Raffgier auf katholisch" wird das im Nachrichtenmagazin Focus genannt.

Rasantes Wachstum
Das Unternehmen mit Sitz in Augsburg ist in den vergangenen zehn Jahren mit atemberaubender Geschwindigkeit gewachsen. Ein Erfolg, der nicht zuletzt die triste Situation im Buchhandel spiegelt, wo die großen Sortimenter eine einstmals bunte Landschaft austrocknen: Masse statt Klasse.

Mit 520 Filialen, die in einem Joint Venture mit Hugendubel betrieben werden, ist Weltbild größter Buchhändler in Deutschland und betreibt seit Jahresbeginn auch die Bücherabteilungen in den Karstadt-Häusern. 23 Prozent des Umsatzes stammen bereits aus dem Online-Geschäft (u.a. Weltbild.de, Jokers.de und anteilig Buecher.de).

Der Vorsitzende der Weltbild-Geschäftsführung, Carel Halff, sagte jetzt der Augsburger Allgemeinen, die Wachstumsperspektiven seien "über die ursprünglichen Kernvorstellungen der Bischöfe" hinausgegangen. Eine Zerschlagung des 9.600 Mitarbeiter beschäftigenden Konzerns sei jedoch "ausgeschlossen".

Als potentieller Käufer wird nun Bertelsmann gehandelt, zumal sich Weltbild selbst als "größter clubfreier Buchversender in Deutschland, Österreich und der Schweiz" sieht. Doch bei Bertelsmann denkt man selbst über einen Verkauf der Buchclubs nach. Zudem schleppt der Gütersloher Familienkonzern, der zu Jahresbeginn einen Gewinneinbruch vermelden musste, Schulden aus einem Anteilsrückkauf mit. Billig wird Weltbild aber nicht zu haben sein, zumal der Buchhandel sich wieder im Aufwand befindet.
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