Die Zeit:
Was wir schon immer über uns Journalisten wissen wollten
Der durchschnittliche Journalist ist nicht wie Helmut Markwort, Kai Diekmann, Stefan Aust oder Hans-Ulrich Jörges, wie uns Professor Siegfried Weischenberg empirisch fundiert in der Zeit beruhigt. Sondern "im statistischen Durchschnitt ein 41 Jahre alter Mann, der aus der Mittelschicht stammt, einen Hochschulabschluss hat, bei der Presse arbeitet und in einer festen Beziehung lebt".
Lustigerweise passt WamS-Chefredakteur Christoph Keese exakt in dieses Raster: Er ist "nicht nur durch Alter, Geschlecht, Herkunft, Bildung und Medium als journalistischer Durchschnitt ausgewiesen" - wie garstig. Auch mit seinem Bekenntnis, er habe schon Grün gewählt, schwimmt Keese auf dem Mainstream. Die meisten Journalisten würden nämlich Grüne (35,5 Prozent) oder SPD (26 Prozent) wählen. Nur 8,7 Prozent gaben die CDU an; 19,6 Prozent neigten keiner Partei zu.
48.381 Personen arbeiten in Deutschland hauptberuflich "in den oder für die aktuellen Medien" arbeiten - 5.000 weniger als vor zwölf Jahren. Der Anteil der Frauen stieg in dieser Zeit um 20 Prozent auf 37 Prozent. Mehr als die Hälfte der Journalisten arbeitet nach wie vor in fester Anstellung bei Zeitungen oder Zeitschriften. 25 Prozent sind frei.
Gesinnungsfanatismus
Die meisten Journalisten verstehen sich als Informationsvermittler, während der Anteil derer, die ihre eigenen Ansichten präsentieren wollen, auf unter 20 Prozent gesunken. Dass die Berichterstattung zur Bundestagswahl trotzdem unter "Gesinnungsfanatismus" litt, deutet Weischenberg so, "dass die große Mehrheit der Journalisten nach den Regeln objektiver Berichterstattung handelt, während ein kleinerer Teil eher ideologisch-intrinsischen Motiven folgt und diese durchsetzen kann". Zudem gebe es wohl - gerade bei den politischen Korrespondenten in Berlin - einen hohen Konkurrenzdruck.
Die journalistischen Stimmungsmacher sind in Weischenbergs Augen eine "Pseudoelite", der er empfiehlt, "ihre Selbstdarstellung, deren Nachbereitung jetzt zum Nahkampf von Dünnhäutern eskaliert, durch berufliche Selbstreflexion" zu "kontrollieren". Die große Mehrheit der Journalistinnen und Journalisten habe "diesen aktuellen Leidensdruck zum Glück nicht".
Journalisten glauben mehrheitlich, die Realität abzubilden. Doch Weischenberg behauptet pointiert, sie hielten sich statt am "wahren Leben" und an "normalen Menschen" lieber an andere Medien und ihre Kollegen - schließlich interviewen sie sich ständig selbst. Soweit der Augenschein. Empirisch bestätigt ist, dass Journalisten meist mit Journalisten befreundet und auch in der Freizeit keiner Berufsgruppe so verpflichtet sind wie der eigenen.
Weniger Spiegel-Leser
Interessant ist, dass nur noch 33,8 Prozent der Journalisten Spiegel lesen - vor zwölf Jahren waren es noch zwei Drittel. Lediglich jeder Zehnte liest Bild.
Lustigerweise passt WamS-Chefredakteur Christoph Keese exakt in dieses Raster: Er ist "nicht nur durch Alter, Geschlecht, Herkunft, Bildung und Medium als journalistischer Durchschnitt ausgewiesen" - wie garstig. Auch mit seinem Bekenntnis, er habe schon Grün gewählt, schwimmt Keese auf dem Mainstream. Die meisten Journalisten würden nämlich Grüne (35,5 Prozent) oder SPD (26 Prozent) wählen. Nur 8,7 Prozent gaben die CDU an; 19,6 Prozent neigten keiner Partei zu.
48.381 Personen arbeiten in Deutschland hauptberuflich "in den oder für die aktuellen Medien" arbeiten - 5.000 weniger als vor zwölf Jahren. Der Anteil der Frauen stieg in dieser Zeit um 20 Prozent auf 37 Prozent. Mehr als die Hälfte der Journalisten arbeitet nach wie vor in fester Anstellung bei Zeitungen oder Zeitschriften. 25 Prozent sind frei.
Gesinnungsfanatismus
Die meisten Journalisten verstehen sich als Informationsvermittler, während der Anteil derer, die ihre eigenen Ansichten präsentieren wollen, auf unter 20 Prozent gesunken. Dass die Berichterstattung zur Bundestagswahl trotzdem unter "Gesinnungsfanatismus" litt, deutet Weischenberg so, "dass die große Mehrheit der Journalisten nach den Regeln objektiver Berichterstattung handelt, während ein kleinerer Teil eher ideologisch-intrinsischen Motiven folgt und diese durchsetzen kann". Zudem gebe es wohl - gerade bei den politischen Korrespondenten in Berlin - einen hohen Konkurrenzdruck.
Die journalistischen Stimmungsmacher sind in Weischenbergs Augen eine "Pseudoelite", der er empfiehlt, "ihre Selbstdarstellung, deren Nachbereitung jetzt zum Nahkampf von Dünnhäutern eskaliert, durch berufliche Selbstreflexion" zu "kontrollieren". Die große Mehrheit der Journalistinnen und Journalisten habe "diesen aktuellen Leidensdruck zum Glück nicht".
Journalisten glauben mehrheitlich, die Realität abzubilden. Doch Weischenberg behauptet pointiert, sie hielten sich statt am "wahren Leben" und an "normalen Menschen" lieber an andere Medien und ihre Kollegen - schließlich interviewen sie sich ständig selbst. Soweit der Augenschein. Empirisch bestätigt ist, dass Journalisten meist mit Journalisten befreundet und auch in der Freizeit keiner Berufsgruppe so verpflichtet sind wie der eigenen.
Weniger Spiegel-Leser
Interessant ist, dass nur noch 33,8 Prozent der Journalisten Spiegel lesen - vor zwölf Jahren waren es noch zwei Drittel. Lediglich jeder Zehnte liest Bild.
Kommentare:
Seien Sie der Erste, der diesen Beitrag kommentiert >>>
Zuletzt bearbeitet 11.10.2005 18:42 Uhr
@netzpresse
Newsfeeds
Suchen
Seiten-Index
Kontakt
Impressum