Die Medienkrise ist keine Medienkrise, sondern nur eine Anzeigenkrise, und für Journalisten ist Krise sowieso
"etwas ganz Wunderbares". Findet jedenfalls Stefan Aust im
Tagesspiegel-Interview:
"Überall passiert etwas, es gibt Konflikte, Bruchstellen, kriminelle Handlungen, journalistisch gesehen ein paradiesischer Zustand. Wenn ich meine Nachfolger beim 'Spiegel' um eines beneide, dann darum, in einer solchen Zeit ein solches Blatt machen zu können."
Nach seinem Abschied beim
Spiegel hat Aust als Berater bei der
WAZ-Gruppe angeheuert, um neue Zeitschriften-Projekte zu
"sondieren". Auch bei
Sat.1 taucht er wieder auf, um gemeinsam mit Sabine Christiansen zu talken. Sein Engagement bei
Talk im Turm habe er 1998 nur angetreten, weil es sonst Helmut Markwort gemacht hätte; zum Rückzug sei er nicht von Rudolf Augstein gedrängt worden, sondern habe den
Spiegel-Gründer vielmehr selbst
"angerufen und ihn gebeten, mir mal einen kleinen Brief zu schreiben und mir nahezulegen, die Sendung abzugeben".
Und sonst?
"Es gibt in der Republik nur ganz wenige, die sich bei ’68, der RAF und der Gewalt so auskennen wie ich", sagt Aust. Der Stasi-Fall Karl-Heinz Kurras hat aber selbst ihn überrascht. Das vom Mathias Döpfner angekündigte
Springer-Tribunal hält er aber für
"außerordentlich wichtig", auch wenn
"ganz viele" Alt-68er nach seiner Erwartung nicht kommen werden:
"Weil sie wissen, dass sie an einigen Punkten in die Defensive geraten würden."