Der Axel-Springer-Verlag, zuletzt vor allem durch Expansion in Osteuropa aufgefallen, hat das Rennen um die Schweizer Jean Frey AG (240 Mitarbeiter, rund 70 Millionen Schweizer Franken Jahresumsatz) gemacht, die unter anderem das viel gelesene Verbrauchermagazin Beobachter (Auflage: 315.000) herausgibt. Der deutsche Konzern muss dem Tessiner Investor und Hauptaktionär Tito Tettamanti für 95,5 Prozent der Aktien 140 Millionen Schweizer Franken - ungerechnet 90 Millionen Euro - zahlen.
Der Konzentrationsprozess in der Medienbranche werde damit fortgesetzt, kommentierte die eidgenössische Mediengewerkschaft comedia die Übernahme zum 1. Januar 2007. Springer gehört in der Schweiz bereits die Zürcher Verlagsgruppe HandelsZeitung mit 120 Mitarbeitern. "Mittelfristig" plant Springer die Zusammenführung der beiden Häuser. Bereits zum Jahresende, also sofort, muss Jean-Frey-Geschäftsführer Filippo Leutenegger gehen.
Nicht zum Paket gehört die defizitäre Weltwoche. Den noch bei Jean Frey verbliebenen 40-Prozent-Anteil an dem Magazin übernahm der Journalist Roger Köppel; damit ist er Allein-Eigentümer und -Verleger der Weltwoche. Köppel war bis zum Sommer noch Chefredakteur von Springers Welt.