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Süddeutsche Zeitung, New York Times, Wall Street Journal:
Rupert Murdoch macht sich beim Wall Street Journal breit

Wie kompetent kann das Kontrollgremium eines Medienhauses sein, wenn dort eine 28-jährige Opernsängerin einen Sitz erhält, die weder über Management noch über Journalismus Bescheid wissen soll? Wahrscheinlich nicht sehr kompetent. Trotzdem entsendet die Familie Bancroft, die das Medienhaus Dow Jones samt Wall Street Journal an den Medienmogul Rupert Murdoch verkauft hat, nun die 27-jährige Natalie Bancroft in den Aufsichtsrat des Verlages.

Bei der Nominierung handelt es sich offenbar um eine Verlegenheitslösung. Denn die Bancrofts hatten sich innerhalb der vereinbarten Nominierungsfrist nicht auf einen gemeinsamen Kandidaten einigen können und waren nun auf Murdochs Placet angewiesen, wie das Wall Street Journal selbst berichtete. Der lehnte angeblich andere Kandidaten als die junge, in Genf lebende Frau ab und befand im Übrigen, die Bancrofts seien eine "merkwürdige Familie".

Die Intention der Bancrofts, die sich aus vorgeblicher Sorge um die publizistische Unabhängigkeit von Down Jones beim Verkauf ein Mitspracherecht vorbehalten hatten, erscheint jedenfalls unter diesen Umständen recht fragwürdig. Die Familie hatte auch eigens ein Kontrollgremium einrichten lassen, das die Besetzung der Redaktionsleitung überwachen soll - laut New York Times "the most thankless task in journalism".

In der Süddeutschen Zeitung mokiert sich Thomas Schuler vor allem darüber, dass Murdoch für das fünfköpfige Gremium den "Medienwissenschaftler Nicholas Negroponte" nominierte; dem er zuvor eine Spende von 2,5 Millionen Dollar habe zukommen lassen.

Nun ist Negroponte nicht irgendein Medienwissenschaftler, sondern der Gründer des berühmten Media Lab am Bostoner MIT, und bei der Stiftung handelt es sich um die respektable One Laptop per Chield-Initiative, einen erschwinglichen und praktischen Computer für Entwicklungsländer zu bauen. Tatsächlich gehört Murdochs News Corp. dort zu den größten Geldgebern. Ob Negroponte trotz der großzügigen Zuwendung ein unabhängiger Kontrolleur sein wird oder nur ein treuer Gefolgsmann, muss sich allerdings erst erweisen.
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