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Politiker-Watching im Kirchenblatt: Bespitzelung als Kontrollfunktion in der "Bunten"

Recherche oder Bespitzelung? Das ist nur eine der Fragen, die das vom Stern enthüllte Politiker-Watching der Bunten provoziert. Ein Klatsch-, pardon: People-Magazin, das sich zutiefst für das Beziehungsleben deutscher Spitzenpolitiker interessiert, natürlich nur aus gesellschaftlichem Interesse. Eine Redaktion, die sich nicht selbst die Hände schmutzig macht, sondern der "Investigative Reporting Services" einer Agentur bedient, deren kolportierte Methoden an James Bond erinnern. Oder an die Stasi. Der Stoff hat das Zeug zur Fortsetzungsserie.

"Kein Kind von Traurigkeit"
Jedenfalls sieht man das beim Stern so. Zuerst machte die Gruner+Jahr-Illustrierte, sonst auch "kein Kind von Traurigkeit" (der ewige Klatsch-Reporter Michael Graeter in der taz), öffentlich, wie die Burda-Konkurrenz das Beziehungsleben der Politiker Franz Müntefering und Oskar Lafontaine aufs Korn nehmen ließ. Diese Woche wird nachgelegt: Auch Wolfgang Tiefensee, Günther Oettinger und Christian Wulff habe die Berliner Agentur CMK nachgestellt - ob im Auftrag der Bunten oder nur als Anbieter bleibt offen. Wulff folgten die Agenturleute bis in die Flitterwochen nach Nizza.

Der Berliner Tagesspiegel notierte bereits eine "Ausweitung der Kampfzone" und fragte konsequenterweise bei Bild nach, warum sich Deutschlands größte Boulevard-Zeitung da gar nicht einmischt. Das sei wohl ein wichtiges Medienthema, ließ Pressesprecher Tobias Fröhlich wissen, aber Bild habe nun mal keine Medienseite. Was natürlich eine hübsche Variation der alten Geschichte von den Krähen ist, die einander nicht die Augen aushacken - oder doch, wie im Falle Stern gegen Bunte.

"Wettbewerblich motivierte Scheinheiligkeit"
Bunte-Chefin Patricia Riekel hat bereits zurückgeschossen: "Die rein wettbewerblich motivierte Scheinheiligkeit des Stern-Berichts zeigt sich daran, dass er Recherchen über das Privatleben von Politikern verurteilt, der Stern aber andererseits ausführlich und wiederholt über das Privatleben von Politikern berichtet", vermeldete sie via Pressemitteilung. Auch der Stern habe über Wulffs Beziehungsleben berichtet - einschließlich CMK-Fotomaterial. Übrigens war auch Springer CMK-Kunde.

Erfahrene Kämpfer an der Klatsch-Front rümpfen derweil die Nase. Ein Reporter sei kein Detektiv, meint etwa Graeter. "Wenn man gute Leute hat, braucht man keine Rechercheagenturen." Alt-Paparazzo Jürgen Christ sagte der Süddeutschen, angebliche CMK-Methoden wie Bewegungsmelder unter der Fußmatte lehne er "strikt ab" und finde sie "unsinnig". Und Investigativ-Journalist Hans Leyendecker schreibt: "Verglichen etwa mit News of the World ist die Bunte ein Kirchenblatt." Gemessen an den Gepflogenheiten der englischen Presse wirke der deutsche Fall seltsam provinziell.

Ein Kirchenblatt mag die Bunte aber auch nicht sein. Chefredakteurin Riekel stellt sich und ihr Magazin vielmehr als journalistischen Leuchtturm dar: "Zu unserer journalistischen Aufgabe gehört durch Berichte über Politiker zur Meinungsbildung beizutragen, dazu gehört auch die Aufdeckung von Diskrepanzen zwischen dem gewünschten Image eines Politikers und seinem tatsächlichen Verhalten", schrieb Riekel an die Grünen-Chefin Renate Künast. "Diese Kontrollfunktion der Presse lässt sich die BUNTE, aber auch die gesamte deutsche Presse, nicht von Ihnen nehmen." Fortsetzung folgt.
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