Sie befinden sich hier:

Medien-Debatten mit Vocer (neu) und Carta (wieder da)

Im Herbst 2011 startete das sogenannte Debatten-Forum Vocer.org - zunächst in einer Beta-Variante. Das Herausgeber-Team um den Medien-Professor Stephan Weichert stieß damit in eine Lücke, die das von dem inzwischen verstorbenen Medienberater Robin Meyer-Lucht gegründete Gruppen-Blog Carta hinterlassen hatte. Doch im neuen Jahr hat sich Carta wieder zurückgemeldet, und damit wetteifern in der medialen Aufmerksamkeits-Ökonomie gleich zwei Autoren-Plattformen miteinander. Sie teilen den Anspruch, Debatten zu führen und über den Horizont der üblichen Branchendienste hinweg zu denken.

Damit nicht genug der Gemeinsamkeiten. Beide präsentieren sich auf modernen Websites mit Blog-Fundament. Und beide stellen sich arg ambitioniert dar. So wie Meyer-Lucht bei der Carta-Gründung "die über zwei Millionen Akademiker zwischen 25 und 55 in Deutschland, die mittlerweile täglich das Internet nutzen" zur Zielgruppe erklärte, möchte Vocer nun nichts weniger als ein "Think Tank zur Medienkritik" sein und hat auch schon namhafte Autoren vorzuzeigen. Viele führenden (Online-) Journalisten aus Deutschland haben schon Beiträge beigesteuert, wenngleich es sich dabei (noch) recht häufig um Wiederverwertungen anderswo veröffentlichter Texte handelt.

Kaffeekasse und Spenden
Spannende Unterschiede gibt es dagegen bei der Organisationsform. Während Meyer-Luchts Carta aus der Kaffeekasse zu leben versuchte, gründeten die Vocer-Macher zuerst einen Verein und finanzieren sich nach eigenen Angaben durch Spendengelder von Stiftungen und Privatleuten - das soll finanzielle Unabhängigkeit nach US-amerikanischem Vorbild herstellen.

Auch die Bundeszentrale für politische Bildung zählt zu den Geldgebern. So ist es wohl zu erklären, dass bpb-Chef Thomas Krüger zum offiziellen Start der Website am 1. Februar "einige Gedanken, wie das (journalistische, d. Red.) Handwerk wieder besser werden kann" (Teaser-Text), beisteuert.

Vocer führt außerdem Kooperationen mit Zeit Online und Süddeutsche.de sowie der New Yorker Fachzeitschrift Columbia Journalism Review ins Feld. Man sieht sich als Mitstreiter einer "Slow Media"-Bewegung: "Anti-zyklisch berichten, recherchieren, dranbleiben, zwischen eilig und wichtig trennen: Weniger ist hier mehr." (Aus Krügers Eröffnungs-Artikel.)

All das klingt ziemlich toll, sofern Vocer es tatsächlich schafft, über eine Selbstdarstellungs-Bühne für Medienautoren hinaus zu kommen, und tatsächlich den Anspruch einlöst, Debatten zu organisieren. Noch ist es ziemlich leer in den Kommentarspalten, da wirkt Carta lebendiger und das Bildblog als Erfinder des kritischen Medien-Watchings hierzulande sowieso.
Sie sind: Gast | Login | Registrieren