Die Nachrichtenagentur Reuters hat ihr Handbook of Journalism zum freien Zugriff ins Netz gestellt und dabei durchaus Sinn für das Medium bewiesen: Statt einfach ein PDF zum Download anzubieten, wurde das Handbuch zum Wiki verarbeitet.
Sämtliche Artikel-Tools, die man etwa von der Wikipedia kennt, sind vorhanden. Außenstehende können die Seiten zwar nicht selbst ändern - entsprechende Versuche werden mit der hübschen Fehlermeldung quittiert, diese Aktion sei nur für Mitglieder der Benutzer-Gruppen "Bureaucrats" und "Sysops" zulässig -, aber ein Protokoll der Änderungen einsehen. Als Stand wird allerdings April 2008 genannt.
Beim Reuters-Handbuch handelt es sich nicht um ein Lehrbuch, vielmehr um eine Sammlung von journalistischen Standards und praktischen Glossaren ("Style Guide"). Dass eine der großen Weltagenturen sich die Mühe macht, ihre Arbeitsprinzipien online zu stellen, zeugt von Transparenz und dürfte für journalistische Praktiker und Theoretiker von Interesse sein.
"Jenseits solcher Offensichtlichkeiten wie dem Kardinalfehler des Plagiarismus, der Unehrlichkeit von erfundenen Sachverhalten oder der Unmoral von Bestechlichkeit ist Journalismus ein Beruf, der sich von ethischen Grundsätzen leiten lassen sollte und nicht von starren Regeln", heißt es im Vorwort. "Was folgt, ist ein Versuch, diese Grundsätzen darzustellen, als Leitfaden, um Entscheidungen zu fällen und Verhaltensweisen anzunehmen, die im besten Interesse von Reuters, unserer Aktionäre, unserer Kunden, unserer Kontakte, unserer Leser und unseres Berufs sind." Man beachte die Reihenfolge.