Herz: Notfall – Jede/r kann helfen!

Dr. med. Barbara Hogan ist Chefärztin der Zentralen Notaufnahme der Asklepios Klinik Altona und Präsidentin der Deutschen Gesellschaft Interdisziplinäre Notaufnahme e. V. (DGINA)

Jedes Jahr gibt es erschreckende Zahlen zum plötzlichen Herztod. Das spiegelt sich sicher auch in Ihrer täglichen Arbeit in einer großen Zentralen Notaufnahme wider. Welche Möglichkeiten haben Laien – Familie, ArbeitskollegInnen, Passanten – bei einem solchen Ereignis zu helfen? Kommt nach Ihren Erfahrungen die in der Fahrschule erlernte Herz-Druck-Massage überhaupt in der Praxis ins Spiel, wenn potenzielle Ersthelfer vor Ort sind? Und was bringt aus Ihrer Sicht ein Automatisierter externer Defibrillator (AED)?

Dr. Hogan: Der AED ist ein sicher sehr potentes Hilfsmittel für alle Ersthelfer in der Früh-Wiederbelebung. Er ist einfach zu bedienen – hier ist nur Aufklärung! Aufklärung! Aufklärung! notwendig, damit eine Angstschwelle bei den potentiellen Laien-Benutzern gesenkt wird.

In wieweit die eigentlich bekannte Herz-Druck-Massage tatsächlich praktiziert wird, ist fraglich. Sie wird ja nur beim Erwerb des Führerscheins geschult, es gibt keine Auffrischungskurse...

Mal ganz abgesehen davon, dass wir „Defis“ aus den Arztserien kennen: In den USA sind diese Geräte sehr verbreitet, sie stehen in zahlreichen öffentlichen Gebäuden zur Verfügung, jeder kann sie nutzen. Wäre das auch eine Zielstellung für unser Land – und, wenn ja, woran liegt es aus Ihrer Sicht, dass dies nicht geschieht? Könnte wirklich jedermann – jede Frau einen solchen Defi sinnbringend bedienen?

Dr. Hogan: So eine Maßnahme ist unbedingt sinnvoll, die Investitionen sollten sogar vom Staat gefördert werden! Die Todeshäufigkeit beim plötzlichen Herztod könnte damit deutlich gesenkt werden. Der AED ist von jedermann leicht zu bedienen, die Anweisungen erfolgen vom Gerät – deutlich und von Schritt zu Schritt.

Lassen Sie mich aus einer Information der Deutschen Herzliga zitieren (auf deren Website zu finden):
„Die gefährlichste Rhythmusstörung des Herzens ist das Kammerflimmern. Pumpversagen und der Tod sind die Folgen. Nach Schätzungen der Deutschen Herzliga sterben circa 100.00 Menschen im Jahr in der BRD am plötzlichen Herztod. Durch Stromstöße kann dieser Teufelskreis durchbrochen werden. Dies muss sehr schnell geschehen, denn jede Minute verringert die Überlebenschancen. Bis die Notärzte eintreffen, ist es häufig schon zu spät. Wir setzen hierfür ein brandneues Gerät ein. Dieses Elektroschockgerät – ein so genannter AED, das Kürzel steht für Automatisierte Externe Defibrillation – führt den Anwender sprachgesteuert, analysiert das EKG und gibt Stromstöße nur bei Kammerflimmern frei... Solche Geräte können auch von Laien bedient werden, weshalb sogenannte Frühdefibrillatoren in öffentlichen Einrichtungen und großen Firmen vorhanden sein sollten.“

Aktuelle Zahlen zeigen, dass die Behandlungskette bezüglich des Infarkts in verschiedenen Regionen Deutschlands sehr unterschiedlich funktioniert. In Großstädten sind Infarktpatienten sehr schnell in der Klinik, in den ländlichen Räumen wird mitunter eine kritische Zeit überschritten, mit schlimmen Folgen. Was muss aus Ihrer Sicht getan werden – und wie können vor allem Angehörige und Freunde entsprechend effektiv reagieren, vielleicht mit den richtigen Informationen für den Arzt?

Dr. Hogan: Die optimale Behandlung beim akuten Herzinfarkt ist die sofortige Zuführung zu einem Herzkatheterlabor. Dieses ist in den Großstädten leichter realisierbar als auf dem Land. Der Rettungsdienst auf dem Land würde nach Rücksprache mit den entsprechenden Kliniken dann eine Lysetherapie beginnen. Informationen für den Arzt sind immer wichtig: Gesamte Krankengeschichte (chronologisch geordnet), möglichst schriftlich vorhalten, alle aktuellen Medikamente schriftlich dokumentieren und immer vorhalten. Bei klinischen Beschwerden: genaue Angaben: Wie lange besteht der Schmerz / die Bewusstlosigkeit – Begleitumstände (Anstrengung, Nahrungsaufnahme, Luftnot, psychische Belastung.

Es gilt immer beim Herzinfarkt / bei Herzschmerzen: „Am Abend niemals auf den nächsten Morgen warten, am Wochenende niemals auf den Montag warten – sofort den Notarzt rufen!!!