GlobalPost: Nachrichten aus der Welt-Nische
Artikel
| 13.01.2009

"For wihich it stands" - zum Start fragt GlobalPost seine Korrespondenten nach der Sicht der Welt auf die USA
Screenshot: Netzpresse
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Eine neue Nachrichtenagentur also. Das hat Amerika - wo die etablierten Verlage, Medienhäuser und selbst das Public Radio hektisch von Sparrunde zu Sparrunde eilen - gerade noch gefehlt, oder? Die Erfinder von GlobalPost glauben genau dies. "Es gibt Millionen und Abermillionen von Amerikanern, die sich sehr dafür interessiert, was passiert, und doch haben sie keine zuverlässige Quelle für eine umfassende, weltweite Berichterstattung in den amerikanischen Medien", behauptete Philip Balboni, Präsident und CEO von GlobalPost, gegenüber AFP.
Der TV-Manager und die Print-Veteranen
In seinem Vorleben war Balboni TV-Manager; er baute den New England Cable News Network. Womöglich ist Balbonis schlechtes Urteil über amerikanischen Nachrichtenjournalismus (zu) stark von der TV-Perspektive geprägt. Andererseits ist das Fernsehen nach wie vor das Hauptinformationsmedium der meisten US-Bürger, und der Fernsehmann Balboni steht mit seiner Einschätzung nicht alleine: Mehrere gestandene Print-Journalisten zählen zu den Gründern von GlobalPost. Balbonis Vize Charles M. Sennott war Auslandskorrespondent des Boston Globe. Unter den über 60 in der Korrespondentenliste aufgeführten Mitarbeitern tauchen einige Newsroom-Veteranen auf, in deren Lebensläufen die Washington Post, das Time Magazin, CNN oder auch die Agentur AP stehen.
Es klingt fast so, als wollten sie es alle noch einmal wissen: Einfach guten Journalismus machen, ohne Großverlag im Hintergrund, aber auch ohne hohe operative Kosten. Vielleicht sind die Zeiten wirklich so schlecht, dass die Idee gut ist: Jetzt, da die ganze Medienbranche nach Umbruch schreit, aber noch keiner genau weiß, wie dieser Umbruch funktionieren soll - gründen wir halt eine Nachrichtenagentur! Drei Investoren aus der Branche, die auch die Mehrheit an der neuen Agentur halten, hat der Plan jedenfalls überzeugt.
Und nun zum Geschäft
Dass Geschäftsmodell von GlobalPost jedenfalls sieht drei Einnahmequellen vor: Mehr als die Hälfte soll die werbefinanzierte Website ausmachen, auf der die Korrespondentenberichte und auch einige Videos kostenfrei abrufbar sind; hinzu kommen eine Premium-Mitgliedschaft ("Passport") für 199 Dollar jährlich und schließlich die Syndizierung der Inhalte - klassisches Agenturgeschäft also; die Preisgestaltung soll den auf Einsparung orientierten US-Zeitungskunden entgegenkommen.
In diesen bescheidenen Rahmen passt übrigens auch das Honorarmodell: Die Korrespondenten bekommen Firmenanteile und erhalten als "Feste Freie" ein Basishonorar von 1.000 Dollar pro Monat. Dass sie unter diesen Bedingungen auch für andere Auftraggeber tätig bleiben müssen, ist einkalkuliert.
Keine Breaking News
Unter dem Strich lautet das Modell also: großer Journalismus, kleine Kosten. Mit den arrivierten Nachrichtenagenturen will man nicht direkt konkurrieren. Denn GlobalPost verzichtet sowohl auf US-Inlandsberichterstattung als auch auf Breaking News. "Wir berichten über die restlichen Geschichten, die oft vernachlässigt werden, wenn alle hinter der Hauptgeschichte herrennen", sagt Balboni.
Eine Nachrichten-Agentur der Nebenschauplätze? Klingt ziemlich mutig. Schaut man auf die im modernen Sinne einfach gestaltete Website, findet man vor allem Lesestoff, Geschichten, Kolumnen; Texte, für die ein Blattmacher nicht immer Platz haben wird, die man aber gerne mal mitnimmt. Ein bescheidener Luxus, sozusagen. Kann das funktionieren? Wird es die Beteiligten ernähren?
Ende letzten Jahres sorgte bereits die Ankündigung, CNN baue eine eigene Nachrichtenagentur auf, für Aufsehen in der Branche. Mit dem Launch am 12. Januar ist GlobalPost der Nachrichtenfabrik aus Atlanta zwar erst einmal zuvorgekommen. Ob Balboni, Sennott und Co. sich aber in ihrer Welt-Nische etablieren können? Sie versuchen's jedenfalls, und das ist schon viel wert.
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