Rudolf Augstein soll Stefan Aust geraten haben, sich nicht auf dem Rücken eines Pferdes ablichten zu lassen, weil dann die Presse sofort vom
"Herrenreiter" schreiben würde. So sieht man den passionierten Pferdefreund in dem
WDR-Porträt von Stephan Lamby also nicht hoch zu Ross, dafür aber im Stall und beim Grünkohlschneiden.
Das genügt Kritiker Reinhard Lüke allerdings nicht. Er findet den Informationsgehalt des Films bemerkenswert dürftig, der ihm so so ehrfürchtig erscheint, als wollte sich der freie Autor für eine Stelle bei
Spiegel TV bewerben.
Den Buchautor und Aust-Biografen Oliver Gehrs kann solch ein Vorwurf natürlich nicht treffen. Doch auch das Buch stellt Lüke nicht zufrieden. Gehrs' Vorwurf, dass der
Spiegel-Chef die hehren und irgendwie linken Ideale seines Ziehvaters Augstein verraten habe, sieht er nicht belegt - zumal Gehrs die Frage, was heute eigentlich
"links" heiße, gar nicht thematisiere.
In ihrem unbedingten Vorsatz, Aust ans Bein zu pinkeln, komme die Biografie dem 58-Jährigen letztlich nicht näher als die filmische Verbeugung von Stephan Lamby, befindet Lüke
"Dass Stefan Aust durchaus eitel ist, ein ausgeprägtes Machtbewusstsein hat und es im Umgang mit Redakteuren bisweilen an Feingefühl vermissen lässt - nun ja, wer hätte das gedacht?"