Erich Böhme ist tot

Nach langwieriger Krebs-Erkrankung ist Erich Böhme am 28. November in Hamburg verstorben. Im kommenden Februar hätte er seinen 80. Geburtstag gefeiert. Der gebürtige Hesse aus Frankfurt stieß 1958 zum Spiegel. Dort war er mehr als 16 Jahre lang Chefredakteur, bevor er das Nachrichtenmagazin am Ende des Wendejahres 1989 verließ. Er wollte - so schrieb er damals selbst - "nicht wiedervereinigt werden".

Später wollte Böhme als Herausgeber der Berliner Zeitung (bis 1994) aus dem ehemaligen SED-Blatt eine "deutsche Washington Post" machen. Das gelang ihm zwar nicht, aber die Berliner hat sich doch auf dem schweren Zeitungsmarkt der Hauptstadt neu profilieren können, wenngleich ihr dabei viele angestammte Leser abhanden kamen.

Der TV-Talker
Einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurde Böhme aber als jovialer Moderator des Talk im Turm bei Sat.1 (1990 bis 1998). Einer, der ständig mit seiner Brille spielte und es sich herausnahm, selbst fremde Menschen altväterlich zu duzen. Beim Grünen Salon und Talk in Berlin von n-tv erlebte er danach noch einmal ein vierjähriges TV-Comeback. Als Böhme im Jahr 2000, kurz vor seinem 70. Geburtstag, den österreichischen Politiker Jörg Haider empfing, war er dem Rechtspopulisten, den er "entzaubern" wollte, allerdings nicht mehr gewachsen.

Ganz aufhören konnte einer wie Böhme nie. Für die Sächsische Zeitung schrieb er bis zum Schluss eine politische Wochenendkolumne. "Mit Erich Böhme verlieren wir einen herausragenden Journalisten, einen großartigen Kollegen, einen wunderbaren Menschen. Wir beim Spiegel haben ihm so viel zu verdanken. Wir werden ihn vermissen", erklärten die Spiegel-Chefredakteure Georg Mascolo und Mathias Müller von Blumencron.