Ergebnisse kommunizieren!
Pressemitteilung | 12.06.2010 16:12 Uhr
Prof. Dr. Karen Nieber, Lehrstuhl Pharmakologie für Naturwissenschaftler des Instituts für Pharmazie der Universität Leipzig, ist seit kurzen Vorsitzende des Deutschen Pharmazeutinnen Verbandes.
Wir sprachen mit ihr.
Gendermedizinische Überlegungen, die Erkenntnis, dass Geschlecht wie auch Alter wesentliche Parameter für die Wirksamkeit einer Therapie (wie schon zuvor bei der Diagnostik) sind, setzen sich langsam aber sicher durch. Wie sieht es damit in der Pharmakologie aus? Hören Studierende davon etwas, wie sind sie diesbezüglich auf ihren Beruf – auch in der Apotheke – vorbereitet?
Prof. Nieber: Die Pharmakologie beschäftigt sich mit Wirkungsmechanismen, Nebenwirkungen und Interaktionen von Pharmaka. Der Genderaspekt kommt mehr zum Tragen im Bereich der Pharmakotherapie. Hier wurden bereits große Fortschritte gemacht. Ich denke z. B. an Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schmerz. Gendergesichtspunkte fokussieren vor allem auf die Pharmakokinetik, auf Unterschiede in der Wasser-Fett-Verteilung, Plasmaeiweißbindung, Rezeptor- und Enzymausstellung oder Metabolisierungsprozesse. Zumindest in meiner Vorlesung hören die Studierenden, dass biologische Faktoren eine große Rolle spielen, aber auch die Lebensweise.
Gegenwärtig ist es leider noch so, dass Frauen mehr Medikamente bekommen als Männer und das oftmals in unangemessener Dosierung, da ja die klinischen Studien zum überwiegenden Teil mit männlichen Probanden durchgeführt wurden. Ich hoffe, das ändert sich in Zukunft! Die Studierenden erfahren aber auch, dass es für Krankheiten, die als typische „Frauenleiden“ wahrgenommen werden wie Osteoporose, keine Therapierichtlinien für Männer gibt.
In welcher Weise widmet sich der Deutsche Pharmazeutinnen Verband, deren Vorsitzende Sie sind, diesem Thema?
Prof. Nieber: Gendermedizin ist eine wichtige Säule im Programm und in der Arbeit des Deutschen Pharmazeutinnen Verbandes. 2008 haben wir dazu eine Kongress mit 90 TeilnehmerInnen aus 90 Ländern veranstaltet. Einen zweiten planen wir für 2011, mit dem wesentlichen Ziel, die medizinischen Heilberufe – Ärzte und Apotheker – zusammen zu bringen. Denn Gendermedizin geht beide Berufsgruppen etwas an, das Thema muss von beiden gepackt werden. Dazu habe ich kürzlich auch auf einer Beiratstagung des Deutschen Ärztinnenbundes gesprochen.
Zu Verordnungspraxis und Wirkweise unter gendermedizinischen Aspekten liegt inzwischen eine ganze Reihe von Untersuchungen vor - so z. B. zu Psychopharmaka, Schmerz- und Narkosemitteln. Sie zeigen vor allem, dass hier sehr viele offene Fragen existieren und dass belegte Erkenntnisse noch selten und viel zu langsam in die Praxis übernommen werden. Wie beurteilen Sie diese Situation, was ist zu tun?
Prof. Nieber: Bei jedem „jungen Fachgebiet“ gibt es immer noch viele offene Fragen. Wichtig ist, dass das Problem erkannt ist und dass die Forschung dazu begonnen hat und sie auch weiterentwickelt wird. Eine andere Frage ist es, die Ergebnisse zu kommunizieren. Das wird meiner Meinung nach noch zu wenig getan. Wie gesagt, Ärzte und Apotheker müssen hier zusammen arbeiten, die Pharmaindustrie muss mit ins Boot geholt werden. Und selbstverständlich haben wir Hochschullehrer auch eine große Verantwortung. Ich wünsche mir eine Aufnahme gendermedizinischer Aspekte in das Curriculum der medizinischen und pharmazeutischen Ausbildung.
Sind Sie als Wissenschaftlerin selbst in entsprechende Forschungsarbeiten eingebunden?
Prof. Nieber: In einem Forschungsprojekt beschäftigen wir uns mit neuartigen Ansatzpunkten für Wirkstoffe bei funktionellen Darmerkrankungen. Ein Teilthema, das z. T. aus Mitteln der Europäischen Union gefördert wird, untersucht Unterschiede in Ausprägung und Induktionsmechanismen bei weiblichen und männlichen Tieren. Dieses Projekt ist zwar der Grundlagenforschung zugeordnet, aber die Ergebnisse könnten interessant für zukünftige geschlechtsspezifische Therapiestrategien sein.
Wir sprachen mit ihr.
Gendermedizinische Überlegungen, die Erkenntnis, dass Geschlecht wie auch Alter wesentliche Parameter für die Wirksamkeit einer Therapie (wie schon zuvor bei der Diagnostik) sind, setzen sich langsam aber sicher durch. Wie sieht es damit in der Pharmakologie aus? Hören Studierende davon etwas, wie sind sie diesbezüglich auf ihren Beruf – auch in der Apotheke – vorbereitet?
Prof. Nieber: Die Pharmakologie beschäftigt sich mit Wirkungsmechanismen, Nebenwirkungen und Interaktionen von Pharmaka. Der Genderaspekt kommt mehr zum Tragen im Bereich der Pharmakotherapie. Hier wurden bereits große Fortschritte gemacht. Ich denke z. B. an Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schmerz. Gendergesichtspunkte fokussieren vor allem auf die Pharmakokinetik, auf Unterschiede in der Wasser-Fett-Verteilung, Plasmaeiweißbindung, Rezeptor- und Enzymausstellung oder Metabolisierungsprozesse. Zumindest in meiner Vorlesung hören die Studierenden, dass biologische Faktoren eine große Rolle spielen, aber auch die Lebensweise.
Gegenwärtig ist es leider noch so, dass Frauen mehr Medikamente bekommen als Männer und das oftmals in unangemessener Dosierung, da ja die klinischen Studien zum überwiegenden Teil mit männlichen Probanden durchgeführt wurden. Ich hoffe, das ändert sich in Zukunft! Die Studierenden erfahren aber auch, dass es für Krankheiten, die als typische „Frauenleiden“ wahrgenommen werden wie Osteoporose, keine Therapierichtlinien für Männer gibt.
In welcher Weise widmet sich der Deutsche Pharmazeutinnen Verband, deren Vorsitzende Sie sind, diesem Thema?
Prof. Nieber: Gendermedizin ist eine wichtige Säule im Programm und in der Arbeit des Deutschen Pharmazeutinnen Verbandes. 2008 haben wir dazu eine Kongress mit 90 TeilnehmerInnen aus 90 Ländern veranstaltet. Einen zweiten planen wir für 2011, mit dem wesentlichen Ziel, die medizinischen Heilberufe – Ärzte und Apotheker – zusammen zu bringen. Denn Gendermedizin geht beide Berufsgruppen etwas an, das Thema muss von beiden gepackt werden. Dazu habe ich kürzlich auch auf einer Beiratstagung des Deutschen Ärztinnenbundes gesprochen.
Zu Verordnungspraxis und Wirkweise unter gendermedizinischen Aspekten liegt inzwischen eine ganze Reihe von Untersuchungen vor - so z. B. zu Psychopharmaka, Schmerz- und Narkosemitteln. Sie zeigen vor allem, dass hier sehr viele offene Fragen existieren und dass belegte Erkenntnisse noch selten und viel zu langsam in die Praxis übernommen werden. Wie beurteilen Sie diese Situation, was ist zu tun?
Prof. Nieber: Bei jedem „jungen Fachgebiet“ gibt es immer noch viele offene Fragen. Wichtig ist, dass das Problem erkannt ist und dass die Forschung dazu begonnen hat und sie auch weiterentwickelt wird. Eine andere Frage ist es, die Ergebnisse zu kommunizieren. Das wird meiner Meinung nach noch zu wenig getan. Wie gesagt, Ärzte und Apotheker müssen hier zusammen arbeiten, die Pharmaindustrie muss mit ins Boot geholt werden. Und selbstverständlich haben wir Hochschullehrer auch eine große Verantwortung. Ich wünsche mir eine Aufnahme gendermedizinischer Aspekte in das Curriculum der medizinischen und pharmazeutischen Ausbildung.
Sind Sie als Wissenschaftlerin selbst in entsprechende Forschungsarbeiten eingebunden?
Prof. Nieber: In einem Forschungsprojekt beschäftigen wir uns mit neuartigen Ansatzpunkten für Wirkstoffe bei funktionellen Darmerkrankungen. Ein Teilthema, das z. T. aus Mitteln der Europäischen Union gefördert wird, untersucht Unterschiede in Ausprägung und Induktionsmechanismen bei weiblichen und männlichen Tieren. Dieses Projekt ist zwar der Grundlagenforschung zugeordnet, aber die Ergebnisse könnten interessant für zukünftige geschlechtsspezifische Therapiestrategien sein.

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