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Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung:
Die vorbildliche Web-Strategie des "Guardian"

Der britische Guradian produziert eine der besten und erfolgreichsten Zeitungs-Websites der Welt. Wie das geht, hat Hannah Pilarczyk für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung bei Chefredakteur Alan Rusbridger ("Mit seinen Vogelnesthaaren und dem falsch geknöpften hellblauen Hemd [...] sieht er nicht so aus, als wäre er der modernste Chefredakteur Großbritanniens") und Online-Chefin Janine Gibson ("In Aspik hätte ich die Website am liebsten gegossen! Sie war perfekt!") zu ergründen versucht.

Der Guardian, so ließt man, habe auch über das Platzen der Dotcom-Blase und den 11. September hinweg sein Online-Engagement nicht schleifen lassen. Viele Amerikaner entdeckten ihn dann als liberale Alternative zu den US-Medien und blieben treu. Auch in Asien wird die britische Website viel gelesen. Am Tag der US-Wahl 2008 verzeichnete die Website die Rekordzahl von 2,2 Millionen Besuchern. Mit 26 Millionen Usern im Monat sei guardian.co.uk die sechstgrößte Tageszeitungswebsite der Welt.

Auch in der aktuellen Finanzkrise will der Guardian die Website weiter ausbauen. Inhaltlich ist sie ein Spagat zwischen Boulevard und ernsten Themen. "Alles, was dazwischen ist, kannst du vergessen", wird Gibson zitiert, während Rusbridger darauf wert legt, auf Klick-Galerien und Suchmaschinenoptimierung zu verzichten: "Wir haben uns unsere User nicht gekauft, wir haben sie durch unsere Inhalte und unsere Communities an uns gebunden."

Zwar erwirtschafte Print immer noch 85 Prozent der Gewinne. Nach dem Umzug der Redaktion von Farringdon ins Zentrum nahe King's Cross müssen aber alle 800 Redakteure auch für die Online-Ausgabe arbeiten. Und weil rein kommerzielle Medien - hinter dem Guardian steht eine Stiftung - nach Rusbridgers Beobachtung zuerst beim teuren Nachrichten-Journalismus sparen, sieht der Chefredakteur genau dort die Zukunft: bei den internationalen News.