Die "Washington Post" und der zitierfähige Flurfunk via Twitter
Artikel
| 02.10.2009
Darf ein leitender Journalist einer angesehenen Zeitung via Twitter seine privaten Ansichten auch über politische Themen kundtun? Bei der Washington Post meint man: Nein. Der Managing Editor Raju Narisetti musste seinenTwitter-Account schließen, und die Zeitung - besorgt, dass die Integrität ihres Newsrooms durch Privat-Gezwitscher befleckt wird -, legte ihren Mitarbeitern prompt ein Regelwerk für die Nutzung sozialer Netzwerke vor.
"Wir müssen im Sinn behalten, dass Washington-Post-Journalisten immer Washington-Post-Journalisten sind", heißt es gleich zu Beginn der Guidelines, die pikanterweise nicht von der Zeitung selbst, sondern bei PaidContent.org zuerst in Gänze publiziert wurden.
Firmengeheimnisse und Redaktions-Interna
Da beginnt es schon, das Problem mit der neuen Öffentlichkeit via Internet, die durch Dienste wie Facebook, LinkedIn, MySpace oder eben Twitter ständig aufs neue im scheinbar Privaten geschaffen wird. Die Washington Post versucht diesen neuen Kommunikationsverhältnissen mit einem Mix aus wohlfeilen Ermahnungen zur Wahrung journalistischer Standards einerseits und der Warnung vor privaten Meinungsäußerungen andererseits beizukommen.
Zitat: "Persönliche Online-Seiten sind kein Ort für die Diskussion von Redaktions-Interna wie Informations-Beschaffung, Berichterstattung, Entscheidungen zu veröffentlichen oder nicht zu veröffentlichen, Personalangelegenheiten und unerwünschte persönliche oder berufliche Themen im Zusammenhang mit unseren Kollegen. Gleiches gilt für Meinungen oder Angaben über die gesamten Geschäftsaktivitäten der Washington Post Company. Diese Seiten und Sites sollten auch nicht genutzt werden, um Konkurrenten zu kritisieren oder diejenigen, die sich mit unserem Journalismus oder unseren Journalisten auseinandersetzen."
Aus solchen Zeilen spricht Hilflosigkeit. Natürlich ist einem Medienhaus - wie jedem anderen Unternehmen auch - daran gelegen, Interna für sich zu behalten. Aber Flurfunk hat es immer schon gegeben. Nur ist er über Twitter und Co. zitierfähig - und alles Geschriebene wird für die geschwätzigen Medien schon zur Quelle.
Halbseidene Kommunikationsmoral
Die Washington-Post-Guidelines kann man so verstehen, dass Medienhäuser ihre eigenen Mitarbeiter am liebsten gar nicht via Twitter und Co. zur Quelle werden lassen würden - oder nur für "das Wetter und Dessert-Rezepte", wie Howard Kurtz, Medien-Kolumnist der Post, nicht ganz ernst gemeint twitterte. Herrje, schon wieder ein Twitter-Zitat.
Allerdings greifen dieselben Medien, die ihren MItarbeitern Regeln vorlegen, fremde "Tweets" gerne auf und nutzen sie für eigene Geschichten. Das offenbart eine halbseidene Kommunikations-Moral. Und gelegentlich soll es ja sogar vorkommen, dass solche Medienhäuser - bei aller journalistischer Sorgfalt - auf Fake-Accounts hereinfallen.
"Wir müssen im Sinn behalten, dass Washington-Post-Journalisten immer Washington-Post-Journalisten sind", heißt es gleich zu Beginn der Guidelines, die pikanterweise nicht von der Zeitung selbst, sondern bei PaidContent.org zuerst in Gänze publiziert wurden.
Firmengeheimnisse und Redaktions-Interna
Da beginnt es schon, das Problem mit der neuen Öffentlichkeit via Internet, die durch Dienste wie Facebook, LinkedIn, MySpace oder eben Twitter ständig aufs neue im scheinbar Privaten geschaffen wird. Die Washington Post versucht diesen neuen Kommunikationsverhältnissen mit einem Mix aus wohlfeilen Ermahnungen zur Wahrung journalistischer Standards einerseits und der Warnung vor privaten Meinungsäußerungen andererseits beizukommen.
Zitat: "Persönliche Online-Seiten sind kein Ort für die Diskussion von Redaktions-Interna wie Informations-Beschaffung, Berichterstattung, Entscheidungen zu veröffentlichen oder nicht zu veröffentlichen, Personalangelegenheiten und unerwünschte persönliche oder berufliche Themen im Zusammenhang mit unseren Kollegen. Gleiches gilt für Meinungen oder Angaben über die gesamten Geschäftsaktivitäten der Washington Post Company. Diese Seiten und Sites sollten auch nicht genutzt werden, um Konkurrenten zu kritisieren oder diejenigen, die sich mit unserem Journalismus oder unseren Journalisten auseinandersetzen."
Aus solchen Zeilen spricht Hilflosigkeit. Natürlich ist einem Medienhaus - wie jedem anderen Unternehmen auch - daran gelegen, Interna für sich zu behalten. Aber Flurfunk hat es immer schon gegeben. Nur ist er über Twitter und Co. zitierfähig - und alles Geschriebene wird für die geschwätzigen Medien schon zur Quelle.
Halbseidene Kommunikationsmoral
Die Washington-Post-Guidelines kann man so verstehen, dass Medienhäuser ihre eigenen Mitarbeiter am liebsten gar nicht via Twitter und Co. zur Quelle werden lassen würden - oder nur für "das Wetter und Dessert-Rezepte", wie Howard Kurtz, Medien-Kolumnist der Post, nicht ganz ernst gemeint twitterte. Herrje, schon wieder ein Twitter-Zitat.
Allerdings greifen dieselben Medien, die ihren MItarbeitern Regeln vorlegen, fremde "Tweets" gerne auf und nutzen sie für eigene Geschichten. Das offenbart eine halbseidene Kommunikations-Moral. Und gelegentlich soll es ja sogar vorkommen, dass solche Medienhäuser - bei aller journalistischer Sorgfalt - auf Fake-Accounts hereinfallen.
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