Tatsächlich: Trotz aller Skepsis in der aktuellen Diskussion über Paywalls hat die FT ihre Website längst vernagelt - wenn auch mit Löchern: Die ersten zehn Seitenabrufe sind frei, bevor die Aufforderung zur Registrierung kommt. Das Online-Abo beginnt bei 186 US-Dollar pro Jahr. Entscheidend für das Geschäft ist aber immer noch das gerne totgesagte Print-Geschäft: Trotz oder auch wegen starker Preiserhöhungen (inzwischen 348 Dollar pro Jahr in den USA) wachsen die Vertriebserlöse gegen den Trend.
Epochaler Kampf
Lässt sich das FT-Modell auf andere Zeitungen übertragen? Jein. Das Finanzblatt ist eine besondere Marke mit einer besonderen Klientel. Teilweise bezahlen Banken und andere Firmen ihren Angestellten das Abonnement. Zudem nutzt die Zeitung ihre Stellung als Organisator elitärer Konferenzen rund um den Globus. Dort zahlen Gäste und Sponsoren viel Geld dafür, um mit Wirtschaftsführern und Entscheidern zusammengebracht zu werden. "Im epochalen Kampf um die Finanzierung des Journalismus" gehe es meist nur um die Leser-Masse, die FT mit ihren rund 550 Redakteuren setze dagegen auf Klasse, schreibt die etwa gleich stark besetzte, aber defizitäre LA Times bewundernd.
Natürlich kann das nicht jeder machen. Eher grotesk muten deshalb die jüngsten Versuche deutscher Zeitschriftenverlage an, Lifestyle-Titel für am Reißbrett ausgestanzte konsumstarke Zielgruppen - eine Koch-Zeitschrift für hedonistische Männer, ein Esoterik-Heft für Luxus-gewohnte Frauen - zu erfinden. Klar auch, dass eine typisch deutsche Regionalzeitung - sagen wir: die WAZ - nicht als Veranstalter eines Business of Luxury Summit taugt.
Andererseits: Die Idee, dass sich mit eigenen, relevanten Inhalten, mit der Organisation von Debatten und einer intakten Nutzer-Bindung on- und offline Geld verdienen lässt, braucht die Financial Times ja nicht exklusiv zu haben. Es muss ja nicht immer Bratwurstjournalismus sein.