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Deutsche Zeitungen 2009 erstmals mit mehr Vertriebserlösen als Anzeigenumsätzen

Die deutschen Zeitungen haben im Nachkrisenjahr 2009 ein Sechstel ihrer Werbeeinnahmen verloren. Nach Zahlen des Verlegerverbandes BDZV schrumpfte das Anzeigengeschäft um nicht weniger als 15,9 Prozent auf 3,902 Milliarden Euro und lag damit erstmals in jüngerer Zeit unter den Vertriebserlösen (4,473 Milliarden), die dank Preiserhöhungen wenigstens um 2,3 Prozent stiegen.

Verkehrte Welt: Bis zum Jahr 2000 galt bei den Umsätzen in der Zeitungs-Branche noch die Faustregel "zwei Drittel Anzeigen, ein Drittel Vertrieb". An die sinkende Gesamtauflage (minus 2,5 Prozent auf 25,95 Millionen Exemplare) hat sich die Branche hingegen schon seit Jahren gewöhnen müssen. Unter dem Strich erzielten die Zeitungen mit 8,457 Milliarden Euro sieben Prozent weniger Umsatz als 2008 (9,098 Milliarden).

Klassisches Geschäftsmodell in der digitalen Welt
Für die Zukunft setzt der BDZV auf elektronische Lesegeräte und Tablets. Sie böten "große Chancen [...], das klassische Geschäftsmodell der Zeitung, nämlich Vertriebserlöse plus Werbeerlöse, in die digitale Welt zu übertragen", hieß es auf der Jahrespressekonferenz des Verbandes in Berlin. Das umstrittene Leistungsschutzrecht gilt den Zeitungsverlegern als "Eckpfeiler für eine neue Positionierung der Verlage in der digitalen Medienkultur."

Die Lieblingsfeinde der Branche sind nach wie vor die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten mit ihren Internet-Engagements "Es ist ein Skandal, dass die Rundfunkräte den presseähnlichen Angeboten grünes Licht geben und den Drei-Stufen-Test damit zur Farce machen", so BDZV-Hauptgeschäftsführer Dietmar Wolff - und die Deutsche Post, deren Anzeigenblättchen "Einkauf Aktuell" ab September 2010 vom ADAC mit Inhalten bestückt werden soll. Die Zusammenarbeit eines Monopolunternehmens, über das der Staat als größter Aktionär immer noch seine schützende Hand halte, mit einem anerkannten gemeinnützigen Verein sei "der Gipfel der Wettbewerbsverzerrung".
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