Süddeutsche Zeitung:
Der Bürgerjournalismus blüht - auch als Marketingidee
Beim Wisconsin State Journal entscheiden jeden Tag zwischen 11 und 16 Uhr ein paar Tausend Leser via Homepage über die Titelgeschichte der nächsten Printausgabe mit; die Osloer Tageszeitung Verdens Gang erhält jeden Monat im Schnitt 5.000 Nachrichten von ihren Lesern; und das Internet-Portal Ohmynews.com, beim dem 40.000 Nutzer registriert sind, ist in Südkorea meinungsbildend.
Der Bürgerjournalismus blüht, diagnostiziert also die Süddeutsche Zeitung in einem bündigen Rundumschlag-Artikel, der auch die Arbeiter- und Volkskorrespondenten der 1920er und die Gegenöffentlichkeit der 1970er Jahre nicht vergisst. Heute seien die Motive aber profan: Unter Leserschwund leidenden Tageszeitungen gehe es darum, Kunden zu gewinnen oder zu halten. "Und nebenbei ist jede neue Website auch eine mögliche neue Werbefläche".
In Deutschland hat Wolfgang Kundrun von Gruner+Jahr laut SZ unter den großen Verlagschefs zuerst den neuen Trend zum Programm gemacht. Er forderte seine Redakteur auf, den Leser stärker in Recherchen und Geschichten einbeziehen. Nun könnten etwa Capital-Leser die besten Steuerberater ermitteln. Nun ja.
Spannender klingt die Erfolgs-Story von Ohmynews in Südkorea - per Internet schwört dort eine junge Generation der Autoritätsgläubigkeit der Älteren ab. Leser können gute Artikel per Kreditkarte honorieren - einmal brachte ein Kommentar seinem Verfasser 25.000 Euro ein. Kein Geld gibt es bei der Saarbrücker Zeitung, wo seit Jahresbeginn kein Brand und auch kein Verkehrsunfall mehr ungemeldet bleibt. "Wir wollen unsere Leser nicht animieren, sich in Gefahr zu begeben", sagt Chefredakteur Peter Stefan Herbst.
Das ist die Kehrseite des Bürgerjournalismus': In Norwegen, wo Verdens Gang zwischen 20 (kleiner Hinweis) und 2.400 Euro (exklusive Nachricht) zahlt, klagen die Rettungsdienste über Leser, die ihnen im Weg stünden. Kritiker befürchten nicht nur Wichtigtuer, sondern auch Banalitäten und Falschmeldungen.
Die Saarbrücker Zeitung registrierte bisher 1998 Leser-Hinweise, davon 493 verwertbare. "Wir kriegen Anregungen aus Orten, in denen wir keine eigene Redaktion haben", wird Chefredakteur Herbst zitiert. "Das macht uns schneller, aktueller, umfassender – gerade im Wettbewerb mit anderen Medien." Offenbar lassen sich mit den Leser-Reportern also Redaktionsbüros vor Ort einsparen. Längst melden sich andere Verlage bei Chefredakteur Herbst, um Tipps und Informationen zu erhalten.
Der Bürgerjournalismus blüht, diagnostiziert also die Süddeutsche Zeitung in einem bündigen Rundumschlag-Artikel, der auch die Arbeiter- und Volkskorrespondenten der 1920er und die Gegenöffentlichkeit der 1970er Jahre nicht vergisst. Heute seien die Motive aber profan: Unter Leserschwund leidenden Tageszeitungen gehe es darum, Kunden zu gewinnen oder zu halten. "Und nebenbei ist jede neue Website auch eine mögliche neue Werbefläche".
In Deutschland hat Wolfgang Kundrun von Gruner+Jahr laut SZ unter den großen Verlagschefs zuerst den neuen Trend zum Programm gemacht. Er forderte seine Redakteur auf, den Leser stärker in Recherchen und Geschichten einbeziehen. Nun könnten etwa Capital-Leser die besten Steuerberater ermitteln. Nun ja.
Spannender klingt die Erfolgs-Story von Ohmynews in Südkorea - per Internet schwört dort eine junge Generation der Autoritätsgläubigkeit der Älteren ab. Leser können gute Artikel per Kreditkarte honorieren - einmal brachte ein Kommentar seinem Verfasser 25.000 Euro ein. Kein Geld gibt es bei der Saarbrücker Zeitung, wo seit Jahresbeginn kein Brand und auch kein Verkehrsunfall mehr ungemeldet bleibt. "Wir wollen unsere Leser nicht animieren, sich in Gefahr zu begeben", sagt Chefredakteur Peter Stefan Herbst.
Das ist die Kehrseite des Bürgerjournalismus': In Norwegen, wo Verdens Gang zwischen 20 (kleiner Hinweis) und 2.400 Euro (exklusive Nachricht) zahlt, klagen die Rettungsdienste über Leser, die ihnen im Weg stünden. Kritiker befürchten nicht nur Wichtigtuer, sondern auch Banalitäten und Falschmeldungen.
Die Saarbrücker Zeitung registrierte bisher 1998 Leser-Hinweise, davon 493 verwertbare. "Wir kriegen Anregungen aus Orten, in denen wir keine eigene Redaktion haben", wird Chefredakteur Herbst zitiert. "Das macht uns schneller, aktueller, umfassender – gerade im Wettbewerb mit anderen Medien." Offenbar lassen sich mit den Leser-Reportern also Redaktionsbüros vor Ort einsparen. Längst melden sich andere Verlage bei Chefredakteur Herbst, um Tipps und Informationen zu erhalten.
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Zuletzt bearbeitet 14.06.2006 13:23 Uhr
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