Das Interview:
Frauengesundheit als Politik einer Stadt:
Wien mit Vorreiterrolle
Pressemitteilung | 16.12.2008 16:49 Uhr
Seit zehn Jahren gibt es in der österreichischen Hauptstadt ein Programm für Frauengesundheit. Initiatorin und Leiterin ist die Wiener Professorin Dr. Beate Wimmer-Puchinger, Frauengesundheitsbeauftragte der Stadt Wien. Wir sprachen mit ihr.
Zehn Jahre Programm für Frauengesundheit Wien – eine Erfolgsgeschichte? Was war das Ziel, was wurde erreicht?
Prof. Wimmer-Puchinger: Das Wiener Programm für Frauengesundheit wurde 1998 in einem Allparteien-Beschluss entschieden und stellt eine einzigartige Implementierung von Frauengesundheit in der städtischen Gesundheitspolitik dar. Österreich- und auch Europaweit hat Wien damit eine Vorreiterstellung eingenommen.
Unsere Fünf-Jahres-Evaluierung hat ergeben, dass es uns gelungen ist, eine erhöhte Aufmerksamkeit auf die Gender-Spezifität von Gesundheitsthemen bei Ärztinnen und Ärzten sowie GesundheitspolitikerInnen zu erzielen. Wir haben es geschafft, viele Themen aus einer Grauzone zu heben und eine Auseinandersetzung auf gesundheits- und gesellschaftspolitischer Ebene zu erreichen. Dazu gehören unter anderem Essstörungen, postpartale Depressionen und qualitätsvolle Brustkrebsfrüherkennung; aber auch die Sichtbarmachung von Frauen mit Behinderungen, Migrantinnen und wohnungslosen Frauen, die alle ganz spezifische Gesundheitsprobleme haben.
Man hat den Eindruck, die Themen prägen bereits den Wiener Alltag – wie im Moment die Sichtwerbung zum Thema Frauen über 50. Wen erreichen Sie mit der Arbeit des Programms, wen noch nicht?
Prof. Wimmer-Puchinger: 52% der Wiener Bevöl-kerung sind Frauen. Das bedeutet, dass in unserer Stadt Frauen aus aller Welt und jeden Alters leben, mit unterschiedlichem Bildungsniveau und Migrationhintergrund, und daher unterschiedlichen Nöte und Bedürfnissen haben. Natürlich können nicht alle diese Frauen gleich gut erreicht werden.
Unsere Projekte sind derzeit vor allem bei drei Frauengruppen sehr erfolgreich: Migrantinnen, Wiener Schülerinnen und Frauen über 50.
Eine Zielgruppe, die uns sehr am Herzen liegt, wo sich jedoch der Zugang noch schwierig gestaltet, ist die der alleinerziehenden Mütter, wobei hier diejenigen am schwersten zu erreichen sind, die am stärksten sozial belastet sind.
Gibt es Schwerpunktaufgaben für die nächste Zeit, welche Rolle spielen Themen, die in die Familiengesundheit hineinreichen?
Prof. Wimmer-Puchinger: Die psychische Gesundheit von Frauen, ganz besonders die Thematik der postpartale Depression, wird eine Schwerpunktaufgabe von uns bleiben.
Auch in Zukunft wird das Thema „Frauenkörper“ mit seinen ganzen Facetten bei uns schwerpunktmäßig behandelt, wobei Übergewicht und Adipositas – laut WHO die „neue Epidemie“ in den Industriestaaten – im Mittelpunkt stehen.
Gerade in diesem Bereich haben wir bei unseren Projekten gute Erfahrungen mit der Einbindung der gesamten Familie gemacht. So läuft etwa seit dem Vorjahr das Projekt „Ernährung, die bewegt – für Mutter und Kind“, das vom Wiener Programm für Frauengesundheit finanziert und vom Frauengesundheitszentrum FEM konzipiert und organisiert wird. Das Programm legt nicht nur besonderes Augenmerk auf die steigende Zahl übergewichtiger Kinder sondern auch auf die speziellen Probleme des weiblichen Übergewichts: Schließlich lassen gesellschaftliche Ideale und Körpernormen Frauen viel stärker unter ihrer Körperfülle leiden als Männer. In den Kursen für Mütter und Kinder, die 16 Wochen dauern, werden eine grundlegende Umstellung der Ernährung und mehr Bewegung ebenso trainiert wie das eigene Selbstwertgefühl. Auch die Väter werden mit verschiedenen Aktionen in das Programm eingebunden.
Im Mittelpunkt des Wiener Programms für Frauengesundheit steht dennoch die Frau, deren spezifische Bedürfnisse im allgemeinen Gesundheitssystem noch nicht ausreichend verankert sind. Eine bewusste Auseinandersetzung mit den Arbeits- und Lebensbedingungen von Frauen ist die Grundlage unserer Arbeit – die Rolle der Frau in der Familie wird hier implizit mitgedacht.
Zehn Jahre Programm für Frauengesundheit Wien – eine Erfolgsgeschichte? Was war das Ziel, was wurde erreicht?
Prof. Wimmer-Puchinger: Das Wiener Programm für Frauengesundheit wurde 1998 in einem Allparteien-Beschluss entschieden und stellt eine einzigartige Implementierung von Frauengesundheit in der städtischen Gesundheitspolitik dar. Österreich- und auch Europaweit hat Wien damit eine Vorreiterstellung eingenommen.
Unsere Fünf-Jahres-Evaluierung hat ergeben, dass es uns gelungen ist, eine erhöhte Aufmerksamkeit auf die Gender-Spezifität von Gesundheitsthemen bei Ärztinnen und Ärzten sowie GesundheitspolitikerInnen zu erzielen. Wir haben es geschafft, viele Themen aus einer Grauzone zu heben und eine Auseinandersetzung auf gesundheits- und gesellschaftspolitischer Ebene zu erreichen. Dazu gehören unter anderem Essstörungen, postpartale Depressionen und qualitätsvolle Brustkrebsfrüherkennung; aber auch die Sichtbarmachung von Frauen mit Behinderungen, Migrantinnen und wohnungslosen Frauen, die alle ganz spezifische Gesundheitsprobleme haben.
Man hat den Eindruck, die Themen prägen bereits den Wiener Alltag – wie im Moment die Sichtwerbung zum Thema Frauen über 50. Wen erreichen Sie mit der Arbeit des Programms, wen noch nicht?
Prof. Wimmer-Puchinger: 52% der Wiener Bevöl-kerung sind Frauen. Das bedeutet, dass in unserer Stadt Frauen aus aller Welt und jeden Alters leben, mit unterschiedlichem Bildungsniveau und Migrationhintergrund, und daher unterschiedlichen Nöte und Bedürfnissen haben. Natürlich können nicht alle diese Frauen gleich gut erreicht werden.
Unsere Projekte sind derzeit vor allem bei drei Frauengruppen sehr erfolgreich: Migrantinnen, Wiener Schülerinnen und Frauen über 50.
Eine Zielgruppe, die uns sehr am Herzen liegt, wo sich jedoch der Zugang noch schwierig gestaltet, ist die der alleinerziehenden Mütter, wobei hier diejenigen am schwersten zu erreichen sind, die am stärksten sozial belastet sind.
Gibt es Schwerpunktaufgaben für die nächste Zeit, welche Rolle spielen Themen, die in die Familiengesundheit hineinreichen?
Prof. Wimmer-Puchinger: Die psychische Gesundheit von Frauen, ganz besonders die Thematik der postpartale Depression, wird eine Schwerpunktaufgabe von uns bleiben.
Auch in Zukunft wird das Thema „Frauenkörper“ mit seinen ganzen Facetten bei uns schwerpunktmäßig behandelt, wobei Übergewicht und Adipositas – laut WHO die „neue Epidemie“ in den Industriestaaten – im Mittelpunkt stehen.
Gerade in diesem Bereich haben wir bei unseren Projekten gute Erfahrungen mit der Einbindung der gesamten Familie gemacht. So läuft etwa seit dem Vorjahr das Projekt „Ernährung, die bewegt – für Mutter und Kind“, das vom Wiener Programm für Frauengesundheit finanziert und vom Frauengesundheitszentrum FEM konzipiert und organisiert wird. Das Programm legt nicht nur besonderes Augenmerk auf die steigende Zahl übergewichtiger Kinder sondern auch auf die speziellen Probleme des weiblichen Übergewichts: Schließlich lassen gesellschaftliche Ideale und Körpernormen Frauen viel stärker unter ihrer Körperfülle leiden als Männer. In den Kursen für Mütter und Kinder, die 16 Wochen dauern, werden eine grundlegende Umstellung der Ernährung und mehr Bewegung ebenso trainiert wie das eigene Selbstwertgefühl. Auch die Väter werden mit verschiedenen Aktionen in das Programm eingebunden.
Im Mittelpunkt des Wiener Programms für Frauengesundheit steht dennoch die Frau, deren spezifische Bedürfnisse im allgemeinen Gesundheitssystem noch nicht ausreichend verankert sind. Eine bewusste Auseinandersetzung mit den Arbeits- und Lebensbedingungen von Frauen ist die Grundlage unserer Arbeit – die Rolle der Frau in der Familie wird hier implizit mitgedacht.
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