Frankfurter Allgemeine Zeitung:
Bulimisch is beautiful, daran wird "Brigitte" nichts ändern

Die Frauenzeitschrift Brigitte will keine dünnen Models, sondern nur noch normale Frauen zeigen. Für diesen durchaus werbewirksam auf einer Pressekonferenz von den Chefredakteuren Chefredakteure Andreas Lebert und Brigitte Huber verkündeten Schritt gab es sogar Applaus von anwesenden Journalisten - aber die wahre Modewelt rümpft die Nase, wie FAZ-Haute-Couture-Korrespondent Alfons Kaiser aus Paris vermeldet.

Echte Mode-Magazine könnten sich einen solch "populären Ansatz" nämlich nicht leisten, weil Frauen mit Konfektionsgröße 38 oder 40 gar nicht in die von führenden Modelabels gestellten Designerstücke hineinpassen. Macht aber nichts: Brigitte spielt ohnehin in der Modewelt keine Rolle und muss deshalb auf "mittelmodische deutsche Marken" bauen, bei denen "eine Größe 38 wirklich noch eine Größe 38" ist.

Das macht es der G+J-Zeitschrift natürlich viel leichter, zumal sie sich laut Kaiser auch nicht mit Anzeigenkunden herumschlagen muss, die genau nachrechnen, ob die Erwähnungen im redaktionellen Teil auch den Umfängen der geschalteten Anzeigen entsprechen. Aha. So trennt also Modejournalismus von Welt Anzeigen und journalistische Inhalte.

Und schlussendlich werde die Brigitte wohl die Fotos der normalen Frauen auch bearbeiten müssen - nur eben andersherum als die wahren Modemagazine, die den eckigen Schultern und Ellenbogen ihrer mageren Models ebenfalls mit Photoshop zu Leibe rücken.
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