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Als Rheumatiker berufstätig sein: Dafür
wollen wir gute Rahmenbedingungen

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Am 3. Dezember 2011 findet das 2. Gesundheitspolitische Forum der Deutschen Rheuma-Liga Brandenburg in Potsdam statt.
Im Mittelpunkt der Beratungen der größten Patientenorganisation Brandenburgs mit Vertretern von Politik, Krankenkassen, Ärzteschaft stehen bessere Möglichkeiten der beruflichen und medizinische Integration rheumakranker Menschen.
Wir sprachen mit Werner Dau,
Präsident der Deutschen Rheuma-Liga Brandenburg

Ein Ergebnis des bisher ersten Gesundheitspolitischen Forums der Rheuma-Liga Brandenburg Anfang 2010 war, gemeinsam mit Kassenärztlicher Vereinigung Brandenburg, AOK Nordost und Rheumatologen, der beispielhafte Strukturvertrag zur besseren Versorgung von Rheumapatienten. Nun steht ein zweites Gesundheitspolitisches Forum bevor. Welche Ziele hat sich die Rheuma-Liga dafür gesetzt?

Werner Dau: Schwerpunkt ist diesmal die medizinische und berufliche Integration rheumakranker Menschen. Im Interesse unserer Mitglieder und der Rheuma-Patienten in Brandenburg muss es sein, hier mehr Transparenz herzustellen: Es gibt eine Vielzahl von Fördermöglichkeiten und Hilfsangeboten von Ämtern, Behörden, Institutionen, doch diese sind für einen Betroffenen oft schwer durchschaubar. Wir wünschen uns deshalb mehr Vernetzung und Verzahnung dieser unterschiedlichen Kostenträger. Deshalb holen wir die Deutsche Rentenversicherung, das Landesamt für Soziales und Versorgung, die Bundesagentur für Arbeit, Ärzte, Arbeitgeber und Patienten an einen Tisch, wollen auf diese Problematik aufmerksam machen und vielleicht ein Netzwerk gründen.

Gerade weil Rheuma eine chronische und lebenslange Erkrankung ist, müssen und wollen immer mehr Menschen den Spagat schaffen zwischen Krankheitsbewältigung und Berufstätigkeit. Welche Grundvoraussetzungen müssen dafür in Brandenburg geschaffen werden – von der Politik, aber auch von Kassen, von Wissenschaft und Medizin, nicht zuletzt aber auch von Seiten der Arbeitgeber?

Werner Dau: Das ist eine Problematik, die letztlich alle chronisch Kranken in Deutschland betrifft. Um her bessere Bedingungen als bisher zu schaffen, brauchen wir die Unterstützung der Politik, auf Bundes- ebenso wie auf Landesebene.
Für die Patienten im arbeitsfähigen Alter steht ja mit der Diagnose der Erkrankung häufig die Frage: Kann ich meinen Beruf überhaupt noch ausüben und für wie lange? Fünf Prozent der Arbeitnehmer geben bereits im ersten Jahr nach Ausbruch der Erkrankung ihren Job auf! Deshalb geht es doch vielmehr darum, welche Möglichkeiten offen stehen, um die Vereinbarkeit von Erkrankung und Beruf zu erleichtern. Erwerbsminderungsrente sollte die Ultima Ratio sein, sollte immer an letzter Stelle stehen! Auch deshalb fordern wir Transparenz und Kooperation bei den Leistungsträgern.

Deshalb wird es bei unserem Gesundheitspolitischen Forum auch darum gehen Arbeitgebern aufzuzeigen, dass auf Grund einer rheumatischen Erkrankung nicht immer die Leistungsfähigkeit des Beschäftigten eingeschränkt sein und es automatisch zu Ausfallzeiten kommen muss. Zudem kann ein Arbeitgeber bei Kenntnis und Nutzung der unterschiedlichen Fördermöglichkeiten, die es in einer solchen Situation gibt, auch durchaus profitieren. Deshalb drängen wir z. B. auch darauf, dass die Zugangsmöglichkeiten für die genannten Fördermöglichkeiten nicht durch bürokratische Hürden erschwert werden.


Auch in der öffentlichen Wahrnehmung ist Rheuma inzwischen zunehmend eine Erkrankung, die auch junge Menschen betreffen kann. Brandenburg ist mit der bewährten Einrichtung seiner Kinder-Reha in Bad Belzig beispielgebend für Angebote an die jungen Patienten. Problematisch wird es mitunter bei der Berufsfindung, Berufsausbildung und in der Übergangsphase zum erwachsenen Rheumatiker, wo die Jugendlichen oft nicht beim richtigen Arzt ankommen. Welche Forderungen hat die Rheuma-Liga diesbezüglich an die Berufsaufbildungs-Einrichtungen bzw. welche Angebote kann sie selbst oder mit Unterstützung von Partnern machen?

Werner Dau: Wir arbeiten derzeit an einem Projekt, das jungen Rheumapatienten den Übergang vom Kinderrheumatologen zum Erwachsenenrheumatologen erleichtern soll und eine kontinuierliche Weiterbehandlung des Patienten gewährleistet. Die richtige Einstellung und Überwachung der Medikation ist Grundvoraussetzung für einen relativ normalen Alltag und damit auch für die Berufstätigkeit. Das ist die medizinische Seite des Problems, aber es gibt noch weitere Ansätze, um dieser Altersgruppe noch besser helfen zu können.
So unterstützen wir junge Patienten vehement darin, den höchstmöglichen Schulabschluss anzustreben und sich somit frei auf dem Arbeitsmarkt orientieren können. Viele Möglichkeiten liegen noch brach. Die Berufsbildungswerke, die über sehr gute und breit gefächerte Angebote verfügen, werden von Rheumatikern eher selten genutzt. Arbeitgeber wissen zu wenig über Menschen mit Rheuma und tun sich mitunter schwer, solche Jugendlichen auszubilden. Deshalb bieten wir Beratung an, suchen gemeinsame auf den konkreten Jugendlichen und sein konkretes Problem zugeschnittene Lösungen. Auch hier müssen alle Beteiligten unbedingt noch enger und konstruktiver zusammenarbeiten.


Foto zum Download:
Werner Dau, Präsident des Landesverbandes Brandenburg der Deutschen Rheuma-Liga e.V.
Foto: D. Kühn/Contentic Media